Zur Ausstellung v. Ute Meyer: „Landschaften“ – Eine Einführung v. Dr. Melanie Wilken

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Freunde, liebe Gäste,

es ist das Bestreben der Redaktion, Meldungen und Berichte etc. über Ereignisse, die den Kunstverein betreffen, möglichst zeitnah in der Homepage wiederzugeben; das gelingt leider nicht immer. So auch im Falle der Vernissage und der Präsentation unserer aktuellen Ausstellerin Ute Meyer. Krankheitsbedingter Ausfall des Redakteurs u.a.m. haben dazu geführt, dass ihre Würdigung in Form der Veröffentlichung der Einführungsrede der Laudatorin Dr. Melanie Wilken erst jetzt erfolgen kann. Ute Meyer hat es mit Geduld ertragen, dafür sei ihr an dieser Stelle gedankt – und unseren LeserInnen wünsche ich, dass durch die Lektüre des Einführungstextes die Erinnerung an den wunderbaren Eröffnungsabend – mit einfühlsamer Musikbegleitung durch Maria Christiansen am E-Piano –  IMG_0019_1wieder lebendig werden möge – und damit auch die Lust, sich die Ausstellung immer ‚mal wieder anzusehen; bis zum 27. Juli 2015 ist dazu noch Gelegenheit.

IMG_0046_1 IMG_0044_1 IMG_0042_1 IMG_0033_1Und hier noch ein Hinweis zum Background der Künstlerin: Allen, die weitergehendes Interesse an den Arbeiten Ute Meyers haben, empfehlen wir, die von ihr intensiv gepflegte Homepage zu besuchen – eine Fundgrube, die dem Gast die Künstlerin deutlich näher bringen wird: <<www.utemeyer.de>> (HJH).-

                                                                                                                                                                                                                                                                          

Zur Ausstellung Ute Meyers mit dem Titel: „Landschaften“ – Eine Einführung von Dr. Melanie Wilken

IMG_0000_1„Landschaftsmalerei spielt bis ins 17. Jahrhundert eine eher untergeordnete Rolle in der Kunst, sie diente als Hintergrund oder zur Verortung der Darstellung von Architektur, historischen Ereignissen oder Genreszenen. Die Niederländer entdecken diese als eigenes Bildthema, denn das Interesse an der Natur, der Beobachtung und Erforschung wuchs erst in dieser Zeit und damit auch das Interesse an der bildlichen Darstellung. Im 19. Jahrhundert, auch mit dem Aufkommen der Fotografie, verändert sich die Darstellung der Landschaft dann grundlegend. Hauptgrund der Abbildung von Landschaften wird die Vermittlung von Licht, Luft, Stimmung, Farbe und Maltechnik. Das ist es, was Landschaftsmaler wie auch Ute Meyer bis heute interessiert, denn eine ‚naturgetreue Abbildung‘ kann uns ja längst die Digitalkamera liefern…

Landschaftsbilder haben seit ihrer Entstehung als eigenes Genre die Funktion, den Betrachter zu erfreuen, ihn in ferne Länder mitzunehmen oder auch eigene Erinnerungen wieder zu beleben. Die Künstlerin nimmt uns in dieser Ausstellung mit auf eine Entdeckungsreise zu den Shetland-Inseln, auf die dänische Insel Aero und an die deutsche Ostseeküste. Ganze Landschaftsstriche, aber auch Details wie Küstenpflanzen und Strandgut, Tiere, besonders Seevögel bis hin zum eigenen Garten gehören zu ihrem Repertoire. Daraus hat sie eine Auswahl für diese Ausstellung zusammengestellt. Die Motive sind aber auch so gewählt und gestaltet, dass sie nicht unbedingt einen direkten persönlichen Bezug zum dargestellten Landstrich vom Betrachter erfordern, denn sie geben insbesondere eine Stimmung wieder. Dies gilt sowohl für die Küstenbilder als auch für ihre Bilder aus dem Garten.

Ute Meyers Art der Darstellung setzt einen besonderen Blick voraus für Licht, Ausschnitt, Farben, Perspektive und Komposition. Die Arbeit an einem Ölgemälde im Freien stellt sich der Betrachter romantisch, einsam und meditativ vor, doch ist man mit einer ganzen Ausrüstung an Pinseln, Spachteln, (der selbstgebauten!) Leinwand (bis zu 70×100 cm), Staffelei, Farben und Paletten sowie auch noch der Kamera für den Notfall unterwegs. Beim Malprozess, in den drei bis vier Stunden bis zur Füllung der Leinwand verändern sich stetig die Lichtverhältnisse – das Wetter! Diese Veränderungen werden im Bild vereint und geben so keinen fotografisch haltbaren kurzen Moment, sondern geben tatsächlich die Stimmung der Veränderungen eines längeren Zeitraumes wieder.

DER GARTEN

Der Garten ist eine menschlich geschaffene ‚Kulturlandschaft‘. Das Bedürfnis, sich die Natur in die häusliche Nähe zu holen ist in der westlichen Kultur in der Renaissance entstanden. Ute Meyer zeigt Bilder aus dem eigenen Garten, so steht der persönliche Bezug zum Motiv, zu ihrer eigenen Biografie im Vordergrund und die Bilder dienen auch der eigenen Erinnerungen, die sie mit dem Betrachter aber durchaus zu teilen bereit ist. IMG_0060_1

Päonie und Akelei 2013 

Detaildarstellungen aus dem Garten erscheinen fast abstrakt, sind geschickt gewählte Ausschnitte, die Kontraste zwischen Hell und Dunkel, kräftigen und zarten Farben, großflächigem Farbauftrag und feinen Pinselstrichen vereinen.

Rosenbogen II 2014

Aufeinander abgestimmte Farbgruppen und Wuchshöhen des geschickt angelegten Gartens scheinen wie gemacht für die malerische Darstellung! In dem Blütenmeer sind einzelne Pflanzenarten sehr gut auszumachen und zu unterscheiden wie die charakteristische Form der Rosenblüten am Rosenbogen oder die des Fingerhutes.

LANDSCHAFT

Am Strand (Feder und Halme) 2011

Diese Detailaufnahme zeigt einen ganz anderen Pinselduktus als die weiten Landschaften, sie scheint fein gezeichnet und doch nahezu abstrakt. Durch die starke Vergrößerung muss sich der Betrachter einsehen, um das Motiv aufzulösen. Das Spiel von Licht und Schatten, Linie und Fläche, der Kontrast zwischen der Zartheit der Feder und dem robusten Strandhafer stehen im Vordergrund. Ein ausgewähltes Detail, eine Kleinigkeit hat hier die Aufmerksamkeit der Künstlerin auf sich gezogen und ist hier auf der Leinwand verewigt. Nur der aufmerksame Blick auf die Natur, ein geschultes Auge für spannende Motive vergleichbar mit dem Interesse eines Forschers nach neuen Entdeckungen macht dies möglich.

Yell, Shetland 2014

Die Landschaftsbilder verbindet eine kompositorische Gemeinsamkeit: Im Vordergrund ist angeschnitten ein Felsvorsprung, eine Landzunge, Strand oder ähnliches wie z.B. das Feuer auf dem Bild der Einladung dargestellt. Dahinter öffnet sich die Landschaft, der Blick aufs Meer, auf das gegenüberliegende Ufer. Und den Himmel! Eine Technik, die übrigens auch schon die alten Niederländer nutzten, um der Landschaft eine besondere Tiefe und Weite zu geben.    IMG_0057_1  IMG_0056_1 IMG_0052_1 IMG_0052_2 IMG_0050_1

Yell ist zu einem meiner Lieblingsbilder geworden, der Wechsel zwischen Sonnenlicht und Schatten der vorüberziehenden Wolken ist nicht nur gut sicht- und unterscheidbar durch das unterschiedlich tiefe Grün, sondern fast spürbar. Der Betrachter fühlt sich erinnert an einen Tag mit ebensolchen Wolkenzug am Himmel, spürt den schnellen Wechsel der wärmenden Sonnenstrahlen und die sich abkühlende Luft“.

17. April 2015

Text: Dr. Melanie Wilken  (Kunsthistorikerin)    –    Fotos: Karin Hupe

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