Exkursion Dresden 2015 – Ein Reisebericht

In der Zeit vom 19. bis zum 22. Mai 2015 hat der Schleswiger Kunstverein zusammen mit Kunstfreunden aus Husum eine Busreise mit der uns vertrauten Schubyer Firma Bölck nach Dresden durchgeführt. Die Redaktion in Gestalt des 2. Vorsitzenden hat sich bemüht, diesmal relativ ‚zügig‘ mit einem kleinen Bericht darüber aufzuwarten. Er wird ergänzt durch eine üppige Auswahl an Bildern Karin Hupes; ihr an dieser Stelle ein offizielles ‚Dankeschön‘ (HJH).

Noch während der letzten Vorbereitungstage gibt es einen ‚Paukenschlag‘: Der 1. Vorsitzende, Rolf-Jürgen Wind, muss seine Teilnahme an der Reise auf ärztlichen Rat hin, vor allem aber wegen kaum zu ertragender Schmerzen absagen. Er bittet die Schriftführerin, Annegret Vahle, und seinen Stellvertreter, den 2. Vorsitzenden Dr. Hans-Joachim Hupe, die Betreuung der Reisegesellschaft zu übernehmen; es gibt eine kurze Einweisung beider in ihr ‚Aufgabengebiet‘ – und dann ist die Übernahme formal auch schon vollzogen.

An dieser Stelle soll dem zum Zurückbleiben verurteilten ‚Notfallpatienten‘ Jürgen noch einmal ausdrücklich dafür gedankt werden, dass und wie umfassend und sorgfältig er die Reise bis dahin vorbereitet hatte. Sein Engagement findet erkennbar Ausdruck in einem schmalen roten Hefter für alle Mitreisenden. Dieser enthält sowohl eine minutiöse Beschreibung des geplanten Reiseablaufs, als auch einen Stadtplan Dresdens – und die Flyer einiger ‚Highlights‘ der Exkursion; nicht zu vergessen diverse Mobiltelefon-/’Handy‘-Nummern, die die Kommunikation zwischen Fahrer, Reiseleitung und TeilnehmerInnen ‚unter allen Umständen‘ sicherstellen sollen, auch Notizblock und Kugelschreiber fehlen nicht. Darüberhinaus ist den Ordnern der Reiseleitung eine Liste aller Beteiligten beigefügt. Diese soll nach einer persönlichen Befragung resp. bei Zustimmung aller Mitreisenden ggfs. auch noch an alle ausgegeben werden. Und genau die sich so manifestierende gelungene Vorbereitung macht es den beiden ‚Stellvertretern‘ relativ leicht, sich an den Gedanken der Verantwortungsübernahme zu gewöhnen.-

Dienstag, 19. Mai – gegen 07.00 Uhr früh: Wie in der Ausschreibung angekündigt, beginnt nach dem Eintrudeln und ‚Aufsitzen‘ der 46 angemeldeten TeilnehmerInnen auf dem Betriebshof des Busunternehmers BÖLCK in Schuby die Fahrt „in einem erstklassigen Fernreisebus“. Vor dem Verlassen des Geländes stellt sich der Fahrer, Herr Dieter Ewigleben (ja, der Name ist korrekt wiedergegeben), den Reisenden vor. Er gehört zu den erfahrensten Angehörigen der bekanntermaßen insgesamt hervorragend besetzten Fahrerriege der Firma Bölck.

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Nach der Auffahrt auf die Autobahn gibt es einen kurzen ‚Schreck in der Morgenstunde‘: Der Verkehr ist so dicht, dass sich die Kolonnen nur im Schneckentempo vorwärtsbewegen können – das lässt für die Ankunftszeit in Dresden nichts Gutes ahnen. Aber – nach etwa einer Viertelstunde löst sich alles in Wohlgefallen auf; es handelte sich wohl nur um einen baustellenbedingten Stau.

Nach dem angemeldeten Frühstück in der Raststätte Schaalsee und einigen kurzen „Würstchen“- und sonstigen „Kulturstopps“ (damit werden von Reiseprofis die unvermeidlichen Toilettenbesuche benannt..) erreichen wir ohne weitere Probleme bereits gegen 16.00 Uhr Dresden und unser zentral gelegenes Hotel „Am Terrassenufer“ (01069 Dresden, Terrassenufer 12, Tel.: 0351 440 95 00). Obwohl ‚pünktlich‘ eingetroffen, bleibt nicht viel Zeit zur Akklimatisierung, denn das dichte Programm lässt dazu kaum Raum. Nach dem frühen Abendessen folgt eine kurze Führung durch die Semperoper – unter Leitung der eben eingetroffenen Reiseveranstalterin und Agentin Frau Silvia Tröster – und dann geht es für die angemeldete Hälfte der Gesellschaft auch schon in die Oper „Der Freischütz“; die andere Hälfte entspannt sich anderweitig.-

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Mittwoch, 20. Mai: Nach dem Frühstück Stadtrundfahrt im Tourbus, mit kleinen Unterbrechungen, um die eigene Beweglichkeit zu erhalten. Das ‚Wunder‘ der Wiederherstellung der Frauenkirche ist von uns herbei- und hindurcheilenden Kurzbesuchern so kaum zu erfassen, geschweige denn zu begreifen..

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Anschließend Besuch der „Kunsthofpassage“ (Görlitzer Str. 21-25). Da die Lokalitäten und kleinen Geschäfte hier überwiegend erst am Nachmittag bzw. gegen Abend öffnen, können wir uns ohne Gedränge frei bewegen – und kommen aus dem Staunen nicht heraus, wie attraktiv, künstlerisch ansprechend, ja menschlich liebevoll hier inmitten der Großstadt eine ‚Oase‘ der Ruhe, der Muße, der Kontemplation entstanden bzw. erhalten ist. Und neben der Freude sind auch Stimmen zu hören, die sich um die Frage drehen..’weshalb haben wir so etwas nicht auch in Schleswig..‘.

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Das Nachmittagsprogramm umfasst einen Besuch des „Neuen Grünen Gewölbes“ mit seiner schier unüberschaubaren Fülle und Vielfalt an Kunstschätzen der besonderen Art: Viele der Ausstellungsstücke, deren materieller Wert kaum zu beziffern sein dürfte, sind aus Elfenbein, Edelmetallen und/oder Edelsteinen gefertigt und entstammen großenteils den ‚Privatsammlungen‘ mittelalterlicher Herrscher – in der Kunstgeschichte als ‚Kunstkammern‘ ein eigenes Thema.

Im Eilmarsch geht es dann direkt – zum Glück im gleichen Hause – zur Gemäldegalerie „Neue Meister“ – Frau Tröster wird inzwischen durch eine zweite Stadtführerin, Frau Remus, entlastet.Kunstverein SL  Dresden 2015_014 Kunstverein SL  Dresden 2015_015 Kunstverein SL  Dresden 2015_016

Nach dem Abendessen eilt eine kleine Gruppe in die „Comödie Dresden“ (Freiberger Str. 39); dort steht eine Beziehungskomödie auf dem Plan: „Am Morgen danach“. Das kleine, plüschige Theater ist ‚rappelvoll‘ – und die (außer uns natürlich..) überwiegend jüngeren BesucherInnen amüsieren sich köstlich über die – sozusagen in ‚Wort und Bild‘ – teils besonders deftig-derben Darbietungen; dass hier mehr männliche als weibliche Nacktheit zu sehen ist, sei als überraschender Akzent nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Donnerstag, 21. Mai: Der Tag beginnt mit einer Busfahrt zum- und anschließender Rundfahrt im Elbsandsteingebirge „Sächsische Schweiz“. Von vielen „Ahs“ und „Ohs“ begleitet erwandern und erklimmen wir je nach persönlichem Fitnessgrad eine ganze Reihe von Aussichtspunkten mit zum Teil atemberaubenden Ausblicken. Es fällt schwer, sich diesen Panoramen zu entziehen und Abschied zu nehmen von den Höhen.

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Aber – keine Zeit zum Klagen, denn schon geht es weiter nach Pillnitz; dort wartet ein Elbe-Raddampfer auf uns; einige der Männer können an Bord zunächst einmal kaum den Blick wenden von den durch das aufgeschnittene Deck bei der langsamen, aber kraftvollen Arbeit zu bewundernden gewaltigen Motorkolben und der von ihnen angetriebenen Kurbelwelle – eine Augenweide aus Edelstahl, Chrom und poliertem Messing..- Die Reise geht von Pillnitz nach Pirna und während der wunderbaren Flussfahrt holt Wulf Schady sein mitgeführtes Akkordeon heraus. Die Schleswiger Reisegesellschaft intoniert etliche wohlbekannte ‚Ohrwürmer‘ – und spätestens bei der ‚kleinen Möwe, die nach Helgoland fliegt‘, sind alle Plätze um den ‚Chor‘ herum durch die übrigen Reisenden dicht belegt. Von leisem Wiegen der Oberkörper bis zu verdächtigem Glitzern in den Augen sind sozusagen alle Gefühlsregungen zu beobachten – und viele von ihnen geben ihrem Bedauern darüber Ausdruck, dass die Fahrt für sie allzu schnell zu Ende geht – vielen Dank also an Wulf und alle Beteiligten..-

Nachmittags geht es ins >Panometer Dresden< (Gasanstaltstr. 8b), ein auf geniale Weise zum Kunstobjekt umfunktionierter Gasometer; dort ist von einer mehrere Etagen umfassenden Aussichtsplattform aus auf einer ca. 20m hohen Panoramawand Folgendes zu sehen: „Dresden 1945“, eine von Yadegar Asisi realisierte Installation.

Die Dunkelheit innerhalb des Gebäudes und die erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit der Augen wahrgenommene, unglaublich realistisch wirkende 360-Grad-Szenerie machen sofort beklommen; und die farblich wechselnden Lichtblitze, die in Verbindung mit enormen akustischen Effekten die Erinnerung an die Zerstörung der Stadt durch die alliierten Bomber und die anschließenden Feuerstürme wachrufen sollen, verstärken diese Eindrücke nochmals.

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Die meisten Besucher kommen wie in Trance aus dem Gebäude heraus – und es fällt schwer, während des darauffolgenden Aufenthaltes im Zwinger an etwas Anderes zu denken, als an das soeben Erlebte.

Noch beim anschließenden Besuch der Galerie „Alte Meister“ haben viele Mühe, sich auf die phantastischen Gemälde zu konzentrieren. Durch aktuell durchgeführte, umfangreiche Renovierungsarbeiten und die Neuausrichtung etlicher Abteilungen sind nicht nur nicht alle Räume zugänglich, sondern die Sammlungen sind aus banalen Platzspargründen auch anders als üblich zusammengesetzt. Wieder findet der kompetent geführte Besuch teils im Laufschritt statt, da zwischen den Wunschobjekten gelegentlich große Abstände/Entfernungen liegen. Auch durch sich begegnende Gruppen kommen z.T. Störungen mit akustischen Überlagerungen zustande. Alles in allem fühlen wir uns irgendwie ein wenig ‚gehetzt‘.

So sind wir froh, als wir schließlich, von den engagierten Reiseführerinnen entlassen, tief durchatmen können – und so ganz langsam wieder ins Hier und Jetzt, in den eigenen Alltag zurückfinden.

Aber – der an ‚Sensationen‘ wahrlich reiche Tag ist noch nicht zu Ende: Um 19.00 Uhr sind wir alle im Restaurant „Pulverturm an der Frauenkirche“ angemeldet. Es wird in historisch bedeutsamem Ambiente – das Fundament des Pulverturms war bei der Neubebauung des Platzes ‚wiederentdeckt‘ worden – ein unterhaltsamer Abend mit einem Einheitsessen, zwei in eine Art mittelalterliche Tracht gekleideten Musikerinnen und ein paar berührenden Einlagen unseres ‚Auf-Allen-Instrumenten-Zuhause-Profis‘ (hier der ausgeliehenen Laute) Wulf Schady.

Freitag, 22. Mai: Nach dem Frühstück, um 08.30 Uhr, nehmen wir mit unserem Bus die erste Etappe in Richtung Heimat unter die Räder. Kurz nach 09.00 Uhr sind wir bereits in Meißen. Statt die Porzellanmanufaktur auf den Besichtigungszettel zu setzen, hatte sich die Regie in der Heimat für einen geführten Rundgang durch die Meißener Altstadt entschieden.

Dies ist eine ausgesprochen gute Wahl gewesen: Wir nutzen die Gelegenheit, je nach körperlicher Leistungsfähigkeit in unterschiedlichem Maße, im Verlauf von rund zwei Stunden unter der kundigen Führung von Frau Angelika Hahn die wunderbar erhaltene, und da, wo nötig, liebevoll und fachmännisch restaurierte Altstadt kennenzulernen. Auffallend: Überall phantasievolle kleine ‚Hingucker‘, seien es Pflasterformationen, die das Stadtbild wiedergeben, seien es Bronzetafeln mit gut lesbaren (!), informativen Inhalten oder auch ‚mal unterschiedliche Häuserfronten, die gekonnt zu einer attraktiven Einheit gestaltet worden sind; tatsächlich sind von einigen Mitreisenden auch hier unter leisem Stöhnen Vergleiche mit den ‚eigenen Stadtbaukönnern‘ zu vernehmen..

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Die anschließende Heimfahrt verläuft trotz dichten Verkehrsaufkommens im Großraum Berlin völlig unspektakulär – und hätten wir nicht dortselbst Anke und Bodo auf eigenen Wunsch ‚abladen‘ sollen, dann hätte es auf der ganzen Heimfahrt ausser den obligatorischen Würstchen – ach ja, und einem mysteriösen Fahrerwechsel ‚auf den letzten Metern‘ – gar nichts besonders Erwähnenswertes gegeben.

Dankbar, wieder ‚heil‘ zurückgekehrt zu sein, erfüllt von großer Freude über das Gesehene und Erlebte ist es nun auch ‚gefühlt‘ genug. Nach vielen Umarmungen, Küßchen und Sympathiebekundungen eilen die ReiseteilnehmerInnen jetzt rasch zu ihren Autos.–

Text: Dr. Hans-Joachim Hupe  –  Fotos: Karin Hupe

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