Zur Exkursion nach Kappeln: >Kunsthaus Hänisch<

27. Februar – Sonnabend

Exkursion nach Kappeln: >Kunsthaus Hänisch<

Ziel der Exkursion ist das >Kunsthaus Hänisch< mit der Ausstellung: „Jan Laß – der unvergessene Maler vom Langsee“. Durch die Ausstellung wird Claus Vahle führen. „Gegen 16.00 Uhr ist eine wohlverdiente Stärkung bei Kaffee und Kuchen im Fährhaus Missunde geplant“ (AVA). 

Gegen 13.00 Uhr trudeln nach einander etwa 20 Mitglieder des Kunstvereins auf dem so genannten ‚Schleihallenparkplatz‘ ein. Unsere Schriftführerin Annegret Vahle begrüßt die Gruppe, gibt einen kleinen Ausblick auf den geplanten Verlauf der Exkursion, kassiert Eintrittsgelder für das Kunsthaus Hänisch und schickt die auf 6 PKw verteilten Kunstfreundinnen und –freunde los – nicht ohne sich selbst mit ihrem Claus in den Auto-Korso einzureihen. Nach ruhiger Fahrt durch unser Land – überwiegend sonnig in Erinnerung geblieben – und kurzer erfolgreicher Parkplatzsuche in Kappeln betritt die Gruppe das einladend geschmückte >Kunsthaus Hänisch<. IMG_0001+_1

Es dauert – wie üblich – ein wenig, bis alle sich der Garderobe entledigt und anschließend umgeschaut haben; wir werden durch eine Gruppe individuell angereister und bereits vor uns eingetroffener Kunstvereinsmitglieder freudig begrüßt – die Gruppe ist damit auf rund 30 Mitglieder angewachsen.

Jetzt tritt Claus Vahle in Aktion: Er zeigt sich bestens vorbereitet und macht uns erst einmal mit der Person des Künstlers Jan Laß bekannt. Beginnend im ersten Raum im Erdgeschoss – Annegret hatte ihn schon in Schleswig als den ‚Raum mit dem Sofa‘ avisiert (das Sofa war übrigens schon nach wenigen Minuten ‚gut besetzt‘..) – erfahren wir etwas über das menschliche und künstlerische Werden des Jan Laß: Geboren im Jahr 1890 in Kappeln – unter 10 Geschwistern jüngster Spross einer der Gründerfamilien des Fischerdorfes Maasholm. Den väterlichen Vorgaben folgend, der Vater selbst hatte einen kleinen Malerbetrieb, machte er in den Jahren von 1905 bis 1909 eine Malerlehre. Seinen eigenen Neigungen trug er aber nebenbei auch jetzt schon Rechnung, indem er als Abendschüler die Kunstgewerbeschule in Flensburg besuchte. Brotberuf wurde also zunächst seine Malertätigkeit – in Hamburg.  Von 1911 an besuchte er in Altona die Kunstgewerbeschule – bis er im August 1914 zum Militär eingezogen wurde. Nach einer Verwundung in Frankreich 1915 war seine aktive Kriegsteilnahme beendet. Er konnte seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen und bestand im Jahre 1916 die Meisterprüfung im Malerhandwerk. Jan Laß - Selbstbildnis aus jungen Tagen_1

Erstaunlicherweise konnte er etwa vom Jahre 1920 an seine Existenz als freischaffender Künstler gestalten. Während dieser Periode (in Altona) standen christliche Themen bzw. ihnen zugehörige monumentale Figuren im Zentrum seines Schaffens. Aber schon jetzt rückten nach und nach Darstellungen aus dem Genre der modernen Industriegesellschaft in den Vordergrund. Mit seinen gut angenommenen, ja begehrten Hafenansichten und charakteristischen Arbeiterfiguren setzte er sozusagen den schwer hand-arbeitenden Menschen seiner Zeit ein eindrucksvolles ‚Denkmal‘. Überzeugende Beispiele dafür sind während dieser Ausstellung hier im Kunsthaus Hänisch zu sehen: ‚Zeichnungen des Altonaer Hafens, des Rendsburger Kreishafens, von Balkenträgern bei der Arbeit und besonders eindrucksvolle dunkle Zeichnungen, denen der Maler ebenso dunkle Titel verliehen hat, etwa „Schatten“ oder „Über der Straßenschlucht“. Darin steckt nichts der idyllischen und realistischen Landschaften, die Laß spätestens in den 30er-Jahren zu seinem eigentlichen Thema erkoren hatte. Gleichwohl komplettieren diese frühen Werke das Bild eines äußerst vielseitigen Malers, der sich ganz offenbar auch in unterschiedlichen Techniken zu Hause fühlte‘ (R.Fechner).

In jener Zeit einsetzende Exkursionen des Künstlers nach Föhr und Sylt – mit immer ausgedehnteren Aufenthalten auf den Inseln -, ließen ihn wohl zu seinem eigentlichen, ihn bis heute auszeichnenden Thema finden, zur (norddeutschen) Landschaftsmalerei; dabei im Mittelpunkt die Küsten Schleswig-Holsteins. Sie begründeten seinen bald überregional verbreiteten Ruf als Landschaftsmaler – sehr gefördert durch eine Serie hervorragender und ausgezeichneter Aquarelle, Thema: „Sylt im Winter“, die sich übrigens auf Wanderausstellungen großer Beliebtheit erfreuten.

Als letzte große Zäsur, seine Lebensplanung und -gestaltung betreffend, folgte 1934 der Umzug mit seiner Familie nach Süderfahrenstedt– und richtete dort am Langsee in einem abgelegenen Haus sein Künstlerdomizil ein; hier lebte und arbeitete er bis zu seinem Tode. Die landschaftliche Idylle seiner neuen Heimat regte ihn zu immer neuen Darstellungen rund um den Langsee an. Jan Laß - Steilküste Um1930_1 Jan Laß - Atelierhang_1952_1 In den Jahren des aufkommenden Nationalsozialismus und dem damit einhergehenden Neubau vieler Kasernenanlagen hatte Jan Laß etliche ‚Großaufträge‘ für Wandmalereien innerhalb der Gebäude angenommen. Darüberhinaus betätigte er sich auch in anderen öffentlichen Einrichtungen, wie etwa Schulen etc.; in der Domschule Schleswig sind seine Arbeiten z.T. bis heute erhalten geblieben. Er betonte zu jener Zeit gelegentlich, sich nicht für die jeweiligen Auftraggeber ‚verbiegen‘ zu müssen, da man ihm vertraute und ihm daher weitgehend freie Hand ließ; aber wohl auch deshalb, weil er sich mit dem jeweils gefragten Sujet, von ihm ausgelegt als Vermittlung von Tradition und Moderne, durchaus anfreunden konnte.

Während der Kriegsjahre, insbesondere gegen Ende des so genannten Weltenbrandes, versuchte er dann durch die Schaffung „großfiguriger Kompositionen“ (B.Hamer-2007) irgendwie mit den ihn sehr belastenden Eindrücken von Zerstörung und Gewalt, aber auch von menschlicher Leidensfähigkeit und Größe, fertigzuwerden. – Im Jahre 1958 erlag Jan Laß in einem Kieler Krankenhaus einem Magenkrebsleiden; er fand seine letzte Ruhestätte nahe der Kirche von Böklund.—

Nach ausgiebigem Studium der Bilder und intensiver Aufnahme des ‚Hänischhaus-Ambientes‘ brechen die Exkursionsteilnehmer nacheinander auf, um sich zum nächsten Tagesordnungspunkt, der Kaffeetafel, im Missunder Fährhaus einzufinden. Hier ist nach gründlichem Um- und Ausbau eine sehr angenehme Athmosphäre entstanden. Dementsprechend fallen die abschließenden Kommentare der Kunstvereinsmitglieder zu diesem Ausflug insgesamt recht positiv aus.–

Dr. Hans-Joachim Hupe

2. Vorsitzender

 

Schreibe einen Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

Sie können diese HTML-Tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>