„Gedanken zur Kunstmeile“ von Annegret Vahle

Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Kunstvereins,

am 28. Oktober d.J. haben wir unter dem Motto „Kunst verbindet…“ im Haus der VHS Schleswig die Eröffnung sowohl unserer >Gemeinschaftsausstellung< als auch die der >2. Schleswiger Kunstmeile< zelebriert. Unter den vielen Besuchern, die sich eingefunden hatten, ist erfreulicherweise auch eine große Anzahl unserer Mitglieder zu sehen gewesen. Für sie, aber mehr noch für diejenigen, die nicht dabeisein konnten, stellen wir hier Annegret Vahles ausführliche „Gedanken zur Kunstmeile“ zum Nachlesen ein (O-Ton Annegret: ‚..hier der Text über die längste Geschäftsstraßengalerie Deutschlands – vielleicht der ganzen Welt???‘); dazu ein paar fotografische Impressionen, die sie bei ihren ersten Kontrollgängen spontan ‚eingefangen‘ hat.

Dass sich überraschenderweise (..wegen einer Terminverwechselung..?) der sich nach eigener Aussage leicht „overdressed“ fühlende Bürgermeister Dr. Arthur Christiansen eingefunden und auch noch zu einem kurzen Grußwort hatte motivieren lassen, sei nur mit einem Augenzwinkern am Rande vermerkt; auch, dass unser 1. Vorsitzender spontan die Gelegenheit nutzte, ihm sogleich ein paar verbindliche Worte im Sinne von „..künftig etwas mehr Kulturförderung von Seiten der Stadt…“ abzunötigen..-

Wir hoffen in der Redaktion, dass wir auch die „Einführung in die Gemeinschaftsausstellung“ von Anke Carstens-Richter bekommen werden; sie wird dann zu gegebener Zeit an dieser Stelle nachgereicht werden; aber jetzt hat erst einmal Annegret das Wort…(HJH).

 

„Gedanken zur Kunstmeile“

Liebe Kunstfreunde,

kommen wir nun zu einem anderen wichtigen Ereignis des heutigen Tages: zur Eröffnung der Kunstmeile. Es ist die zweite, die der KV organisiert hat. Die erste fand anlässlich der Landesgartenschau 2008 im Stadtweg bis hin zum Gallberg statt. Sie liegt also schon acht Jahre zurück und ich finde, auch wenn die Vorbereitungen viel Zeit kosten, sollte die dritte Kunstmeile spätestens in drei Jahren stattfinden.

In diesem Jahr reicht das Angebot, Kunst in einem Geschäft zu betrachten über den Lollfuß bis in den Friedrichsberg hinein, Kunst verbindet also alle Geschäftsstraßen Schleswigs miteinander und das finde ich besonders schön! So hat sich die Strecke mehr als verdoppelt – etwa 2 1/2 Meilen Kunst sind zu entdecken und wer sich die Mühe macht, in einem Teil des Weges alle ausgestellten Werke zu zählen, hat die Chance ein Bild zu gewinnen, denn diesmal bietet der KV auch ein Preisausschreiben an. Die meisten der auf der Kunstmeile vertretenen Künstler haben eine Arbeit gespendet, so dass wir am 22. November 20 glückliche Gewinner auslosen können.

Zurück zur Kunstmeile. 30 Kunstschaffende zeigen ihre Arbeiten in 50 Geschäften. Das Motto „Kunst verbindet“ konnte natürlich auf den gezeigten Arbeiten nur schwer umgesetzt werden, es ist eher symbolisch zu deuten. Kunst verbindet die ausgestellte Ware mit dem Publikum, das von den Bildern zu längerem Verweilen aufgefordert wird, sei es, weil man sich an ihnen erfreut, sei es, weil man entdeckt, dass Bilder und Ware eine Farbharmonie bilden oder aber sich inhaltlich entsprechen. Lassen Sie mich einige Beispiele benennen:

Im Kaufhaus Ahrens schweben über alte Puppen zwei große Ölbilder von Regine Unruh, die puppenhafte Gestalten zeigen. Bei Raiffeisen-Reisen entdeckt man zarte Aquarelle von Uta Müller,die die norwegische Küste zeigen, darüber werben Flyer für Reisen nach Skandinavien. Im Reformhaus zeigt Anna-Maria Hoppmann ein Gemüsestillleben mit zarten Schriftzügen im Hintergrund, die dafür werben, eine gesunde Ministrone zuzubereiten und ein gemalter Blumenstrauß mit leuchtenden Hagebutten darin lässt an bekömmliche Teesorten denken. Im Bücherhof hat Jeanette Günther ihr Lieblingsbild ausgestellt, eine Sitzecke mit einem gemütlichen Sessel, in dem sicher schon viele Bücher verschlungen worden sind, wie auch das, das aufgeschlagen auf dem Tisch liegt. Extra für das Schuhhaus Forck hat Bruni Müller zwei quadratische Bilder angefertigt, die ein Pendant zueinander bilden: eine farblich sehr reduziert dargestellte Schöne mit leuchtend rotem Hut blickt auf superhohe Stilettos im gleichen Rot und bei Wein und Whisky stehen Fotos von Reinhard Unruh, gemacht in Schottland neben Whisky aus dem gleichnamigen britischen Landesteil. Brot wird auf einem Bild von Hans-Werner Hoff bei Jaich aufgeschnitten und Clara Hansen-Marx hat für Optiker Bode ein zartes Aquarell gewählt, auf dem eine Brille auf einem aufgeschlagenen Buch abgelegt worden ist.

Ganz unterschiedlich werden die Kunstwerke dargeboten: die meisten sind zwischen den Waren integriert, aber es gibt auch Geschäftsleute, die extra ein Fenster leergeräumt haben, wie etwa die Bärenapotheke für Hans-Werner Sanders Schleibilder oder sogar ein Atelier eingerichtet haben, wie es die Dekorateure von Sievers ganz großartig für drei große Ölbilder von Erika Goldschmidt getan haben. Eine wunderbare Einheit bilden auch die erdfarbenen Porträts, die Karin Hupe von ihren Vorfahren angefertigt hat, mit den darunter kunstvoll arrangierten dunklen Brillen. img_7776_1

Dazu hat Frau Pertiet noch kleine Staffeleien aufgestellt und liebevoll Pinsel verteilt. Dann gibt es auch einige leerstehende Geschäfte, wie etwa ehemals Leder Henningsen, wo die Werke von Antje Jepsen und Claus Vahle das Haus zu neuem Leben erwecken.

Ein Wort noch zur Vielfalt des Angebots: da gibt es etliche große Eyecatcher – den größten hat Rolf-Jürgen Wind bei Mackroth ausgestellt, die kleinsten wohl Betty Kerstens bei Schnittgut in der Michaelisstraße. Es gibt spannende Fotografien zu sehen, Aquarelle, Zeichnungen, Ölbilder, Holzmontagen, Collagen und Plastiken. Und es bringt so richtig Spaß mit dem Flyer in der Hand nach den einzelnen Kunstwerken zu suchen. Das habe ich festgestellt, als ich für diese Rede durch die Straßen gezogen bin und natürlich auch alle Arbeiten für die Lösung des Preisausschreibens gezählt habe. Ich könnte noch unendlich mehr über die spannende Geschäftsstraßengalerie erzählen, aber die Zeit reicht leider nicht, alle Künstlerinnen und Künstler zu erwähnen, verdient hätten es alle.

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Kunst verbindet zwei Wochen lang Schleswigs Geschäftsstraßen miteinander, steigert die Wirkung der angebotenen Ware, erweckt vielleicht auch den Wunsch, selbst ein Original zu besitzen.

Danken möchte ich jetzt den Mitgliedern unseres Jubiläums-Festausschusses Jeanette, Irmgard, Karin und Reinhard sowie allen teilnehmenden Geschäftsinhabern. Mir wurde berichtet, fast überall begegnete man den Künstlerinnen und Künstlern kooperativ, freundlich und hilfsbereit. Auftretende Probleme, auch die hat es gegeben, konnten schließlich beseitigt werden.

Nun hoffe ich, dass alle Beteiligten vierzehn spannende Tage erleben werden, und erfahren: Kunst bringt Freude, Kunst regt zu Gesprächen an, Kunst bereichert, Kunst verbindet. In diesem Sinne erkläre ich die 2. Schleswiger Kunstmeile für eröffnet.

Annegret Vahle  (Text u. Fotos)                                                                        Schleswig, 28. Oktober 2016

 

 

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