Exkursion zur NordArt

Natürlich bot der Kunstverein auch zur diesjährigen NordArt eine Exkursion an, und so begaben sich 27 Kunstbegeisterte Mitte September nach Büdelsdorf. Das Glück war auf unserer Seite: wir erwischten einen der wenigen schönen Tage dieses verregneten Sommers und konnten so auch die vielen Plastiken im herrlichen Park schirmlos und in Ruhe bewundern.  Geführt wurden wir von Elana Klinkmann-Voß, einer Kunsthistorikerin, die ihre Liebe zu den Werken, zur Ausstellung weitergab und die immer wieder persönliche Begegnungen mit einzelnen Künstlern in ihren Ausführungen einfließen ließ.

 

 

 

 

 

Natürlich trafen wir auch wieder „alte Bekannte“ im Park, die jedoch in der neuen Aufstellung im Freien eine andere Wirkung erzielten. So schienen beispielsweise „Die Wölfe kommen“ von Liu Ruo Wang noch aggressiver als im letzten Jahr.

Die NordArt widmete erneut der zeitgenössischen Kunst aus China eine größere Aufmerksamkeit. Das wohl gewaltigste Werk schuf Xu Bing, „Phönix I – II“, zwei Skulpturen aus Baumaterialien, die in vier Containern angeliefert wurden und für deren Aufbau ein Monat notwendig war.  Während sie in China eine schlechte Kritik erhielten, fanden sie große Anerkennung in New York, Venedig und Moskau. Gefragt wurde, ob die Wasserbecken auch zu den Vögeln gehören würden.  Die Antwort verblüffte. Da die Plastiken so niedrig hingen, sollten die Becken die Besucher schützen. Doch durch sie wurde die Wirkung der Kunstwerke beträchtlich gesteigert.

 

Seit einigen Jahren stellt die NordArt ein Land mit eigenem Pavillon in den Fokus – in diesem Jahr Dänemark. 21 Künstler, die drei Generationen angehören, wurden ausgewählt.Wir lernten Jette Gejl näher kennen, die einer Künstlerkommune in Aarhus angehört, die mit zehn Geschwistern aufwuchs und gelebte Geschichte erzählt. Hinter der alten Dreschmaschine ihres Großvaters hat sie einen großen Patchworkvorhang installiert. Die Stoffe dazu stammen aus der Nähstube ihrer Mutter, die jeden Monat für jedes Kind ein Kleid oder eine Hose genäht hat. Die ineinander greifenden Halbkreise symbolisieren menschliche Verbundenheit, fordern auf, nicht nebeneinander durch Leben zu schreiten.

 

Als Fokuskünstler wurde der Tscheche David Cerny ausgewählt, der 2016 den NordArtPreis erhalten hat. 22 seiner Werke sind ausgestellt. Sie provozieren, stimmen nachdenklich, lassen den Betrachter schmunzeln oder geben den schwarzen Humor des  Bildhauers  wieder.  Nicht nur auf dem Prager Fernsehturm, sondern auch in der Halle krabbeln seine gesichtslosen Babys  herum. Ein riesiger Revolver verkörpert die uns umgebende Gewalt, ein „abgehangener“ von der  Decke baumelnder Sigmund Freud macht ratlos,  sich bewegende Beine wirken auf einige Betrachter eher abstoßend,

 

 

während die an einen Nagel gehängten Autos  die meisten Besucher beeindrucken. Auf die Frage nach der Bedeutung seiner riesigen Bausätze  meinte er, dass er es satt habe, dass viele Betrachter an seinen Werken rummäkeln würden. Nun sollten sie selber ein  Kunstwerk herstellen.

 

 

 

Natürlich gab es auch viele interessante Bilder zu betrachten. Erwähnt seien hier die Werke von Anastasila Saviwva, die Städte und Länder jenseits ihrer Wahrzeichen porträtieren möchte und deshalb ihre Digitalcollagen aus ganz gewöhnlichen Häusern zusammensetzt. Es ist faszinierend, dass trotzdem das gemeinte Land schnell erkannt wird. Eine besondere Technik benutzen auch Kristina Kanders und Ali Anvari. Erstere erzielt mit ihrer Housewife Serie eine verblüffende Wirkung, indem sie den größten Teil des Körpers der mit Öl auf Retro-Tapete gemalten Hausfrauen ausspart. Dem iranischen Künstler dienen Perserteppische als Grundlage, deren Muster und Blumen er mit Öl und Acryl hervorhabt bzw. verfremdet.

Solch eine kreative Umgebung regt natürlich auch zum eigenen Gestalten an. So kreirte Helge Thielemann fast eine Performance, als er beim Gang durch den Park die Frage aufwarf, wieviele Personen wohl nötig seien, um eine alte gewaltige Buche zu umfassen. Man staunte: acht wurden gebraucht!

Am Ende dieses Kunstgenusses stand für alle fest: auch im nächsten Jahr sollte der Kunstverein eine Fahrt zur NordArt anbieten!

 

 

PS. Inzwischen steht fest, wer in diesem Jahr ausgezeichnet wurde. Den mit 10 000 € dotierten Kunstpreis gewann Jörg Plickat aus Bredenbek für sein monumentales Werk „Helping Hands, Homage to Humantiy“. Die mit 1000 € dotierten Publikumspreise lagen sehr dicht beieinander.  So werden wir im nächsten Jahr weitere Skulpturen von Xu Bing und David Cerny sehen sowie. An zweiter Stelle lag Varol Topag aus der Türkei, dessen kinetisches Kunstwerk „Alles ist in Bewegung“ auch unserer Gruppe sehr gut gefiel. Viele unterschiedlich große Holzstäbchen, auf einer Massagedecke befestigt, bewegten sich ständig, schienen zu „flüstern und zu tanzen“, wie die Tochter unserer Führerin treffend ihr Tun beschrieben hat.

                                                                                                                             

Fotos: Joachim Tschesch, Annegret und Claus Vahle

 

Schreibe einen Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

Sie können diese HTML-Tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>