Worpswede – immer wieder ein lohnendes Ziel!

Natürlich hatten die allermeisten der 42 Teilnehmer der Kunstreise nach Worpswede schon einmal diesen besonderen Ort besucht und trotzdem waren begeisterte Kommentare  nach der Fahrt zu hören: Eine wirklich tolle Kunstreise – war das wieder schön – … und  alles so gut organisiert – ich freue mich schon auf die nächste Reise.

Wie fast immer starteten wir morgens um 6 Uhr mit einem komfortablen Reisebus der Firma Bölck, genossen unterwegs wieder ein leckeres Frühstück und hatten fast eine Stunde vor der geplanten Ankunftszeit unser Ziel erreicht. Das war aber auch bitter nötig, denn in dem kleinen Künstlerort forderten enge oder nur in eine Richtung befahrbare Straßen Gelassenheit und fahrerisches Können. Unser Busfahrer, Herr Andresen,  zeigte sich jeder Situation gewachsen und so erreichten wir auch bald das erste von „Stadtführer“ Claus Vahle ausgesuchte Ziel, das Kreative Haus, gebaut  von  Bernhard Hoetger (1921 – 1923). Begeisterung riefen die expressionistischen Details hervor, wie Schnitzwerk, sehr eigenwillig geformte Türen und Fenster und bossierte Backsteine.


 

 

 

 

 

Das nächste Ziel war der 1910 von Heinrich Vogeler im Jugendstil entworfene und ausgestattete Bahnhof. Leider war auch er            geschlossen und so spähten einige Kunstliebhaber durch ein Fenster, um einen Blick auf die Originalmöbel zu werfen                           und einen Eindruck vom damaligen Ambiente zu erhalten.

 

 

 

Während der Busfahrt entdeckte man immer wieder Spuren der künstlerischen Historie und freute sich schon darauf, sie näher kennenzulernen. Doch zunächst hieß es den Barkenhoff zu finden, der von 1895 bis 1923 die Wohn- und Arbeitsstätte Heinrich Vogelers sowie das geistige Zentrum der Künstlerkolonie Worpswede war. In zwei Gruppen wurden wir durch die wunderschöne Gartenanlage und das malerische Anwesen geführt, wahrlich ein Gesamtkunstwerk, das Vogeler hier geschaffen hat! Unsere engagierte Führerin, eine Enkelin von Fidi Harjes, der auf dem Hof gearbeitet hat und oft Vogeler als Modell diente, nahm uns mit auf eine Zeitreise, die die künstlerische Entwicklung und das wechselvolle Leben des Malers und Architekten zeigte. Der Barkenhoff wandelte sich von einem Bauernhof zu einem repräsentativen Wohnsitz und spiegelte den wachsenden Erfolg des Künstlers wider. Er wurde zu einem prominenten, kulturellen Treffpunkt und zog namhafte Maler, Musiker und Schriftsteller. Zum engeren Kreis gehörten Rilke, Clara Westhoff, Otto Modersohn, Paula Becker und Carl Hauptmann. 1914 meldete sich Vogeler als Kriegsfreiwilliger und kehrte 1918 nach Worpswede zurück. Desillusioniert und im höchsten Maße politisiert verwandelte er das Anwesen in eine Kommune. Seine Ehe scheiterte, ebenfalls sein engagiertes Projekt. So übergab er den Barkenhoff der Roten Hilfe, die hier ein Kinderheim errichtete. Vogeler unternahm viele Reisen, vor allem nach Russland, wovon viele Bilder Zeugnis ablegen.

Nach diesem Kunstgenuss war eine Pause dringend notwendig. Auf dem großen Parkplatz erklärte Jürgen Wind den weiteren Verlauf des Tages. Zunächst ging es ins Kaffee Worpswede, im Volksmund auch Kaffee Verrückt genannt. Bernhard Hoetger schuf das  Gebäude 1927. Es besticht durch seine eigenwillige Fachwerkfassade, seine exotischen Giebel und durch viele ungewöhnliche Details. Im runden Innenraum gibt es viel zu entdecken. Beherrschend die Weltenesche, eine imposante Holzplastik, die mit ihren vier ausladenden Armen mitten im Gastraum steht. Fantasievolle Bilder und Mosaiken sorgen für eine fast märchenhafte Stimmung. Gestärkt ging es in die Große Kunstschau, das Herzstück des Hoetger-Ensembles. Hier werden in einer Dauerausstellung Werke der ersten Worpsweder Malergeneration gezeigt, wunderbare Bilder von Otto Modersohn, Heinrich Vogeler, Paula Modersohn-Becker, Ottilie Reylaender, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Fritz Mackensen und Carl Vinnen. Ergänzt wird die Präsentation durch plastische Arbeiten von Berhard Hoetger.

 

 

 

 

 

Im modernen Anbau des Museums werden Sonderausstellungen gezeigt. Wir sahen „Paulas Worpswede“, eine Hommage an die große Künstlerin und hatten so das große Glück unsere Eindrücke von den Worpsweder Künstlern noch vertiefen zu können. Die restliche Zeit stand zur freien Verfügung. Die meisten suchten das  Hotel auf, aber einige erkundeten noch den Ort und eine kleine Gruppe erfragte sich den Weg zur Käseglocke, das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Edwin Koenemann, der es nach Plänen des großen Architekten Bruno Taut 1926 errichten ließ. Heute dient es als Museum für regionale Angewandte Kunst und beherbergt Möbel von Vogeler und Hoetger.

Der Tag klang aus mit einem köstlichen Abendessen im Hotel und lebhaften Gesprächen, ja sogar Gesang in geselliger Runde.

Auch der nächste Tag versprach herrliches Herbstwetter und so bot Jürgen Wind einen zusätzlichen Programmpunkt an: eine Fahrt ins Teufelsmoor, die nach dem geplanten Besuch der Worpsweder Kunsthalle stattfinden sollte. Hier zeigten hochkarätige Fotografinnen und Fotografen großformatige Arbeiten zu den Themenbereichen „Landschaftsfotografie“ und „Künstlerische Fotografie“. Danach starteten die meisten Teilnehmer zur Hamme, um dort von dem 15 m hohen Aussichtsturm den Blick auf die Weiten der Moorlandschaft um Worpswede zu genießen. Idyllische Szenen boten die Ufer eines kleinen Flusses.                                                                                                                                                                                                                                   Andere nutzten die Zeit für einen Gang zum Friedhof und zur Kirche. Letztere weist als wohl größte Sehenswürdigkeit Blumenfresken von Paula Modersohn-Becker und Putten von Clara Westhoff auf, die beide nach einem „Glockenstreich“ anfertigen mussten. Auf dem Friedhof haben etwa 80 Maler, Schriftsteller, Kunsthandwerker und Musiker ihrer letzte Ruhestätte gefunden. Besonders berührt die Grabskulptur der großen Malerin, die Hoetger 1917 errichtete und die auf eindrucksvolle Weise das Schicksal der Künstlerin symbolisiert. Paula Modersohn-Becker starb 1907 wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter im Alter von nur 31 Jahren. Einige wollten ihren Eindruck von Paulas Leben noch vertiefen und besuchten das Museum am Modersohn-Haus, das der Maler 1897 für sich und seine Familie erwarb. Persönliche Gegenstände des Künstlerpaares erzählen aus jener Zeit. Im modernen Museumsanbau befindet sich die Sammlung Bernhard Kaufmann, die wunderbare Bilder der ersten Worpsweder Malergeneration beinhaltet, darunter 21 Werke von Paula Modersohn-Becker.

 

 

 

 

 

Die Rückfahrt führte uns über Fischerhude, und zwar zunächst ins Otto-Modersohn-Museum. Der Künstler zog nach dem frühen Tod seiner Frau in das Fischer- und Bauerndorf, wo er bis zu seinem Tod 1943 lebte und arbeitete. Sein ehemaliges Wohnhaus zeigt seit 2012 in erweiterten Ausstellungsräumen eine Auswahl des Bestandes der Otto-Modersohn-Stiftung. Wir hatten großes Glück: seine Enkelin Antje Modersohn nahm uns voller Elan mit in die Bilderwelt und das Leben ihres Großvaters. Sie strahlte förmlich vor Freude (die sie auch auf ihre Zuhörer übertrug), denn am frühen Morgen hatte sie erfahren, dass ein von ihr herausgegebenes Buch endlich erscheinen sollte. Hier der Titel „Wir gehören uns ja“:Paula Modersohn Becker/Otto Modersohn. Der Briefwechsel“.

 

 

 

 

 

Nicht so viel Glück hatten wir mit unserem letzten Ausstellungsbesuch. Jürgen Wind hatte zum Kunstvereinsvorsitzenden von Fischerhude Kontakt aufgenommen, der uns gerne  durch „Catos Welt“ führen wollte, eine Ausstellung in Buthmanns Hof. Doch leider sprachen er und seine Kollegin sehr leise, hielten sich auch häufig zu lange an Nebensächlichkeiten auf, so dass die Teilnehmer diejenigen beneideten, die es sich bei Kaffee und Kuchen in einem gemütlichen Cafe gut sein ließen. Doch trotzdem: alle  äußerten sich begeistert über diese schöne Fahrt!


 

Fotos: Dr. Joachim Gunkel, Joachim Tschesch, Annegret und Claus Vahle

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