Zu: Kunstreise nach Krakau

Liebe Mitglieder, Freunde und Gäste des Schleswiger Kunstvereins, liebe Besucher unserer Homepage: Nach nur wenigen Wochen intensiven literarischen Schaffens haben uns zwei Damen unseres besonders aktiven Mitgliederstamms, Annegret Vahle und Jeanette Günther mit einem ausgefeilten Reisebericht von der Kunstreise nach Krakau (13. – 19.05.2012) beschenkt. Wir danken den beiden von Herzen für Ihre Mühe und Arbeit. Der Bericht wird im Folgenden unkommentiert zu unser aller Lesevergnügen abgedruckt. In der Zwischenzeit ist auch eine Fülle von Fotos dieser Reise beim 2. Vorsitzenden eingegangen; sie wird in naher Zukunft zu einer bunten Ergänzung des o.g. Artikels herangezogen werden; darüberhinaus liegt ihre eigentliche Aufgabe ja in der gegenwärtig vorbereiteten Präsentation/Dia-Show anlässlich unseres Sommerfestes am 18. August.

Eine wunderbare Krakau-Fahrt

Die Kunstvereine Husum und Schleswig hatten zu einer gemeinsamen Fahrt nach Krakau eingeladen. Am 13. Mai folgten 49 Kunstinteressierte diesem Angebot. Im komfortablen Reisebus der Firma Bölck erwies sich die weite Fahrt als entspannend und unterhaltsam. Unser umsichtiger Busfahrer Jürgen Wendorf brachte uns sicher zum ersten Etappenziel: Breslau. Bereits gegen 17 Uhr erreichten wir das 5-Sterne-Hotel „Sofitel“. Getreu dem Ausspruch „Wer nicht im Schweidnitzer Keller war, ist nicht in Breslau gewesen“, nahmen wir ein sehr leckeres Abendessen (Schnitzel) im Keller des im 13. Jahrhundert erbauten Rathauses ein. Anschließend bewunderten wir dieses herrliche Beispiel gotischer Architektur, angestrahlt von vielen Lampen. Aber auch am nächsten Vormittag bei der Stadtführung imponierte uns dieses mehrmals erweiterte Gebäude. Sehr beeindruckend der vorbildliche Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg stark zerstörten Stadt! Spaß bereitete es, immer neue Bronzezwerge im Stadtbild zu entdecken. Die Wichtel erinnern an die antikommunistische Bewegung, in der man nicht nur mit Streiks, sondern auch mit kreativen Ideen gegen die Machthaber vorging.

Am frühen Abend erreichten wir Krakau und fanden im Hotel Atrium eine sehr ansprechende Unterkunft. Nach einem gemeinsamen Abendessen (Schnitzel!) wählten die Reisenden unterschiedliche Aktivitäten: das gemütliche Bett, einen Gang zum nahegelegenen Marktplatz mit seinem bunten Treiben oder aber die Hotelbar und viele Wodka-Runden.

Am nächsten Morgen ein weiterer Höhepunkt der Fahrt: in drei Gruppen besuchten wir die Künstlerin Ewa Sadowska, die bereits in Husum ausgestellt hat. Fünf Stockwerke waren zu erklimmen, bis das Atelier direkt unterm Dach und so mit guten Lichtverhältnissen erreicht war. Ihre abstrakten Bilder, gemalt aus ihrem Inneren heraus, gelenkt durch eigene Vorstellungskraft und Poetik, begeisterten, und etliche Werke fanden neue Besitzer. Auch danach setzten sich die Reisenden mit zeitgenössischem Kunstschaffen auseinander: ein Besuch in der Kunstakademie war angesagt, Prof. Stanislaw Tabisz wollte gemeinsam mit seinen Studenten einen Einblick in die aktuellen Studiengänge geben. Die Atmosphäre der traditionellen Bildungsstätte nahm die meisten sofort gefangen. Gipsabgüsse berühmter Plastiken dekorierten die hohen Flure, in den Ateliers standen begonnene Arbeiten auf den Staffeleien, fertige Bilder hingen zur Begutachtung an den Wänden, Studenten tauschten sich aus, malten, kneteten Ton, standen Modell. Es roch nach Farbe und Terpentin. Da hörte man einige seufzen: „ Noch einmal jung zu sein, noch einmal studieren können!“

Am Nachmittag stand eine Stadtführung auf dem Programm. In zwei Gruppen entdeckten wir unter kompetenter Führung Krakaus Attraktionen. Die Altstadt mit ihren prächtigen Straßen, der herrlichen Marienkirche, den imposanten Tuchhallen, dem Palast der Erzbischöfe und dem ehrwürdigen Universitätsgebäude begeisterte jeden von uns. Über 150 000 Studenten leben in Krakau, geben der Stadt ein besonderes Flair. Besonders genossen wir das am Abend, wenn sich einzelne Gruppen (nach einem weiteren Schnitzel!!- Abendessen) ein schönes Plätzchen in der Altstadt suchten. Der kurze Weg vom Hotel ins Zentrum, vorbei am Viktualienmarkt, Grüngürtel und Florianstor wurde uns zur lieben Gewohnheit, so dass wir uns schnell heimisch fühlten an den vertraut gewordenen Orten und Plätzen.

Am nächsten Tag lockte der Wawel mit Königsschloss, Kathedrale und Befestigungsanlagen. Viele Schulklassen besuchten Polens Nationalheiligtum, und auch wir spürten in den altehrwürdigen Gebäuden Polens wechselhafte Geschichte und wurden still in der Kathedrale, der Nekropole der Könige, Dichter und Bischöfe. Am Nachmittag tauchten wir in Krakaus Geschichte ein, unterhalb des Marktplatzes im größten unterirdischen Museum der Welt.

Der Abend begann mit einem Besuch in einem sehr originell eingerichteten Restaurant – es gab lecker zubereitete Schnitzel!!! – und klang aus im „Stary Port“, in dem traditioneller Jazz (musikalische Leckerbissen!) gespielt wurde.

Der letzte Tag in Krakau wurde eingeleitet mit einem Besuch des Salzbergwerks Wieliczka, das schon einst Goethe besichtigt hatte. Etwas mulmig wurde einigen bei der Fahrt im engen, klapperigen Förderkorb in 130 m Tiefe. Die Gewinnung von Steinsalz wurde uns nahe gebracht, aber am eindrucksvollsten empfanden wohl die meisten die vielen Skulpturen, oder die gewaltigen Säle mit Salzkronleuchtern und Wandschmuck.

Sicher waren einige am Nachmittag innerlich etwas aufgewühlt, als der Besuch des alten jüdischen Viertels Kazimierz anstand. Von den Gräueln der Nazizeit war kaum noch etwas zu spüren, seit nunmehr zehn Jahren wird das Viertel wieder aufgebaut und erhält allmählich sein altes Gesicht wieder. Unzählige Restaurants, kleine Geschäfte, Synagogen, interessante Museen und Galerien tragen zur einmaligen Atmosphäre dieses Ortes bei.

In aller Frühe brachen wir am nächsten Morgen auf, Görlitz wurde bereits gegen 13 Uhr erreicht. Wieder erwartete uns eine luxuriöse Herberge. Nach einer Stadtführung durch die wunderschöne Stadt an der Neiße, die geprägt ist durch spätgotische, aber auch durch Renaissance- und Barockbürgerhäuser, erwartete uns ein fürstliches (schnitzelloses) Büfett.

Dann hieß es wieder Abschied nehmen. Es bleibt die Erinnerung an eine Fahrt, in der die Reisenden miteinander sehr freundlich, aufgeschlossen und offen miteinander umgingen, die wunderbare Eindrücke bot. Dank und ein riesengroßes Lob den vier Organisatoren Rolf Brendler, Christian StöhrmannThadeus Uhl und Rolf -Jürgen Wind.

Die Verfasserinnen freuen sich schon auf die nächste Reise!

Jeanette Günther  und Annegret Vahle

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