Exkursion Flensburg: Daniel Spoerri u. Uwe Thomas Guschl

Dienstag, 20. August 2013:

Gegen 10.00 Uhr Eintreffen von ca. 15 TeilnehmerInnen auf dem Schleihallenparkplatz; nach kurzer Begrüßung und Information über den geplanten Ablauf durch den 1. Vorsitzenden, Rolf-Jürgen Wind, macht sich die Gesellschaft in PKw-Fahrgemeinschaften auf den Weg nach Flensburg. Auf dem Programm steht zunächst der Besuch der ‚Spezialitäten’~, um nicht zu sagen der ‚Kuriositäten‘-Sammlung(en) Daniel Spoerris. Sie sind auf dem Flensburger Museumsberg im Heinrich-Sauermann-Haus untergebracht.

Den staunenden Besuchern werden durch eine gut aufgelegte und bestens vorbereitete Ausstellungsführerin tiefgehende Einblicke in die faszinierende Welt des Daniel Spoerri vermittelt. Er ist mit heute 83 Jahren in der Kunstszene weltbekannt und gilt als ‚Meister der Assemblage‘ und Erfinder der ‚Eat Art‘. Die für das Verständnis dieser Begriffe notwendigen Erläuterungen lassen sich etwa so zusammenfassen: Assemblage ist lat.-französ. Ursprungs und meint in einfacher Auslegung einen dreidimensionalen Gegenstand, der durch die Kombination verschiedener Objekte entstanden ist. Und ‚Eat Art‘ wird in der Tat aufgrund der Ausstellungsstücke einfach mit ‚Ess-Art‘ übersetzt; nicht zufällig wird auch in den ausgehängten Begleittexten der Begriff der mittelalterlichen „Wunderkammer“ bemüht, dem historischen Ursprung aller musealen Sammlungen, eben „Historia Rerum Rariorum“.

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Die vom Künstler z.T. ‚themenbezogenen‘, ja geradezu systematisch gesammelten Dinge aus allen denkbaren Lebensbereichen sind hier sozusagen neu zusammengesetzt, wirken dadurch auf den ersten Blick entfremdet und gewinnen so doch von ursprünglich Banalem, überwiegend im Alltag Begegnendem – wie etwa Haushaltsgeräten, Tierknochen und Materialfunden aller Art – ausgehend sozusagen ‚künstlerisch erhoben‘ eine ganz andere, überraschende Bedeutung und Ausstrahlung. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. September d.J. zu sehen und wird an diesem Tag (Sonntag) mit einer offiziellen Finissage (ab 11.30 Uhr) beendet werden.-

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Flensburger Fisch-Restaurant >Fischperle< findet sich die Gesellschaft gegen 15.00 Uhr im neuen, erst vor kurzem bezogenen Atelier des Flensburger Malers Uwe Thomas Guschl ein (24939 Flensburg, Neustadt 17; Tel. 0461-132 51).

Der Künstler lädt uns nach der freundlichen Begrüßung dazu ein, sein Atelier ’nach Belieben‘ zu durchstreifen und alles zu inspizieren, von den vielen die Wände schmückenden ‚fertigen‘, auch fertig gerahmten Bildern – überwiegend in weißen, vom Künstler selbst hergestellten Ausstellungsrahmen (eine mächtige Kapp- und Gehrungssäge gibt Zeugnis von diesem explizit ‚handwerklichen‘ Teil seiner Kunst) – über die unvollendeten, d.h. im Entwicklungsprozess befindlichen Werke bis hin zu den deutlich erkennbaren ‚Schülerarbeiten‘; ein greifbares Zeichen dafür, dass hier auch ein Kunst’lehrer‘ sein Zuhause hat.

Unter den Mitgliedern des Kunstvereins bilden sich nach kurzer Zeit zwei ‚Fraktionen‘: Die Eine kann sich gar nicht satt sehen an den Bildern, die Andere fühlt sich nicht ’so angesprochen‘ durch des Künstlers ‚etwas diffus‘ empfundenen Stil. Das bleibt diesem nicht verborgen – er scheint ähnliches des öfteren zu erleben und kommentiert es mit leicht resignativem Unterton sinngemäß so: ‚Die Leute mögen lieber ganz Naturalistisches, Realistisches – das ist immer gefragt und wird auch gekauft..‘

Nun, U.T.Guschl malt eben nicht ‚ganz naturalistisch, realistisch‘, sondern…: „Farbe möglich machen“: Dieses Skizzenhafte ist das Prinzip des Malerischen und bleibt an die persönliche, vehemente Handschrift gebunden. In seiner heftigen Malerei, der Eruption der Farbe und den reinen Farbflächen wendet Uwe Thomas Guschl seinen dinglichen Ausgangspunkt in eine gegenstandslose Kunst um, denn seine Motive sind Ergebnisse eines bildnerischen Prozesses und nicht länger stilisierte Abbilder der Wirklichkeit“ – und: Die Bildelemente deuten Motive an, um sie sogleich wieder aufzuheben, schwanken zwischen der Funktion als Bedeutungsträger und rein materiellen Stoffen. Formen treten als Kürzel realer Situationen aus informellem Farbmustern hervor und werden genau auf der Grenze zwischen formlosem Fluss und genetischer Verfestigung in labiler Balance gehalten. Damit werden fast nebenbei alte Sehgewohnheiten daraufhin befragt, wie viel zur Identifikation, eines Motivs ausreicht und wann die Vorstellung des Betrachters das Gesehene vollenden muss. Oder grundsätzlicher: Wie sehen wir eigentlich die Welt? Als abstraktes Muster oder naturalistisch? Fotografisch, malerisch oder graphisch? Und wo liegt überhaupt die Trennlinie? Eines jedenfalls ist sicher: Malerisches Denken ist an Farbe und Gestus gebunden, nicht notwendigerweise an Abbildhaftigkeit“- – so bringt uns der  Kieler Kunsthistoriker Jens Neumann den Stil und den Geist Uwe Thomas Guschls näher – zitiert aus der bemerkenswerten Rede vom 29. Februar 2004 in der >Galerie Lüth<; dort ist eine wechselnde Auswahl seiner Bilder permanent ausgestellt.

IMG_1219_1 IMG_1228_1 IMG_1232_1 IMG_1240_1 Wer sich für diese Rede interessiert, eine lebendige, überzeugende Analyse des Werkes und seines vielseitigen Schöpfers, der kann sie sich über das Internet (mittelbar) unter >>www.guschl.de<<  ‚zu Gemüte führen‘; wer dies mangels PC und/oder Internetzugang nicht kann, der wende sich vertrauensvoll an die Redaktion unserer Homepage resp. deren hier tätigen Autor unter Tel.:04621-22733; ‚da wird Ihnen geholfen werden‘..-

Text: Dr. Hans-Joachim Hupe – Fotos: Wolfgang Klockow u. H.-J.Hupe

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