Exkursion Hamburg „Mondrian“

22. Februar – Sonnabend

Exkursion nach Hamburg zur Ausstellung: “Mondrian. Farbe” im Bucerius Kunst Forum Hamburg.

Um 08.10 Uhr trudeln die 18 TeilnehmerInnen im Bahnhof Schleswig ein. Unser fürsorglicher Organisator, Schatzmeister und ‚Reiseleiter‘, Dr. Ain-Peedu Palisaar, ist schon vor uns da, weist uns in die Reisemodalitäten ein, übergibt dann die Karten – und die Verantwortung – an unseren 1. Vorsitzenden, Rolf-Jürgen Wind und verabschiedet sich; er ist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, an dem Ausflug nach Hamburg teilzunehmen. Wir danken ihm für alles, geben ihm unsere Genesungswünsche mit auf den Heimweg und treten dann unsere Reise an.

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In Hamburg angekommen, löst sich die Gesellschaft auf. Unsere Führung im Bucerius Kunst Forum wird erst um 14.00 Uhr beginnen, und so bleiben ein paar Stunden für anderweitige Nutzung. Eine Gruppe verabschiedet sich zum ‚Innenstadt-Shopping‘, eine andere will sich das Museum für Kunst und Gewerbe von innen ansehen – und eine kleine Gruppe um den 1. Vorsitzenden entscheidet sich, das im Internet unter ‚Deichtorhallen-Ausstellungen‘ entdeckte Angebot: „Philip Guston – Das große Spätwerk“ in Augenschein zu nehmen.

Nachdem zunächst erst einmal ca. eine Stunde lang ‚Füße vertreten‘ angesagt ist, bei lausiger Kälte, auch hier öffnen die Museen erst um Punkt 11.00 Uhr – die benachbarten Cafés leider auch – wieder viel dazugelernt.., betreten wir schließlich frohen Mutes den Deichtorhallen-Trakt, in dem wir die Ausstellung vermuten; auf der gegenüberliegenden Seite hatten wir gelesen: „Halle für aktuelle und internationale Kunst wegen Sanierungsarbeiten bis ca. 2015 geschlossen“- Nun also hinein in die Ausstellung – und schon gibt es wieder etwas zu lernen: Die gewünschte Ausstellung „Philip Guston“ befindet sich nämlich gar nicht ‚hier‘, sondern in der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg! Jetzt ist Humor gefragt; wir erfahren, dass wir uns in reichlicher Gesellschaft befänden, denn die Ankündigung der Ausstellung Guston sei in der Tat etwas unglücklich im Internet und in den Medien herausgekommen..- Nun, wir blicken nach vorn, bilden mit anderen Besucherinnen eine ‚rabattberechtigte Gruppe‘ und erfreuen uns während der nächsten Stunden an der in diesem Hause, dem  Haus der Photographie  präsentierten Ausstellung „Gute Aussichten“. Ein ausführlicher Kommentar verbietet sich hier aus Platzgründen – nur soviel: Es hat sich ‚gelohnt‘. Wir sind fasziniert von der unerwarteten Vielfalt, von der Phantasie, von der Kunst, die sich hier in Fotos niederschlägt; aber auch von den Biographien einiger Fotografinnen (!) und Fotografen, die unter Lebenseinsatz – im wahrsten Sinne des Wortes: bedroht, entführt, gedemütigt, mißhandelt – in den entlegensten Ecken der Welt, in Krisengebieten, Kriegsgebieten, in ‚Drittwelt-Ländern‘ mit z.T. schockierenden Traditionen und/oder Lebensumständen ihre Aufnahmen gemacht haben.- HH-Mondrian  006 HH-Mondrian  007 HH-Mondrian  008 HH-Mondrian  010

Um 14.00 Uhr dann unsere eigentliche Mission: Besuch der Ausstellung „Mondrian. Farbe“ im Bucerius Kunst Forum. Wir werden von einer den meisten TeilnehmerInnen bereits bekannten Dame des Bucerius‘-Teams, Frau Ann Cathrin Drews, in Empfang genommen und durch die Ausstellung geführt.Im Hinterkopf bei Mondrian immer die Assoziation mit den Farbfeldern Rot, Blau und Gelb und den schwarzen Rastern auf weißem Grund, kurz mit der radikalen Abstraktion  in der Kunst und dem Bruch aller alten Traditionen, beginnt die Führung mit für die meisten von uns überraschenden Darstellungen aus der Frühzeit des Schaffens Mondrians: ‚Leben auf dem Lande‘, ‚bäuerlicher Alltag‘, Gebäude, Natur etc., dabei vorherrschend sozusagen ’naturgemäß‘ viele Brauntöne. Während des ‚Bummels‘ durch die ersten Ausstellungsräume lernen wir durch die kompetente ‚Führerin‘ anhand seiner Bilder vieles über den Menschen und den Maler Piet Mondrian und seine Entwicklung. Es wird deutlich, dass es ein langer, vorsichtig tastender Weg gewesen sein muss, den der Künstler gegangen ist, ein Prozess, der durch vielerlei Anregungen aus seinem zeitgenössischen Umfeld beeinflusst und bestimmt worden ist. Es ist faszinierend, wie die späteren Techniken und Strukturen sich in ersten Anklängen und Grundformen anhand der noch fast naturalistisch dargestellten Bauernhäuser erkennen und nachweisen lassen.

Eine Zäsur in Mondrians Schaffen gibt es um 1908 herum, als der Maler sich explizit mit der Farbenlehre Goethes beschäftigt. Er betrachtet und bezeichnet von nun an Farben als „getrübtes Licht“. Dies schlägt sich in seinen Bildern dahingehend nieder, dass seine Bilder vom strahlenden Licht der Sonne und dem nächtlichen Leuchten des Mondes bestimmt sind. Zugleich wird immer deutlicher, dass ein sanfter Abschied von seinen bis dahin gepflegten realistischen Darstellungsformen begonnen hat und fortschreitet. Eines der immer gern vorgetragenen Zitate Mondrians aus jener Zeit lautet: „Das erste, was ich in meiner Malerei ändern musste, war die Farbe. Ich gab die natürliche Farbe auf zugunsten einer reinen Farbe“. Mit der „reinen Farbe“ waren im Sinne Goethes eben Rot und Blau gemeint, die auch für Licht und Dunkelheit stehen. Überzeugende Beispiele hierfür konnten wir in Augenschein nehmen, etwa ein Mädchenporträt: Rotes Kleid vor blauem Hintergrund etc.

HH-Mondrian  011 HH-Mondrian  012 HH-Mondrian  013 HH-Mondrian  014Von zwei weiteren Zäsuren in Mondrians Leben, insbesondere seine geistige, seine intellektuelle aber auch seelische Entwicklung betreffend, war dann die Rede: Die erste: Im Jahre 1909  war Mondrian der Theosophischen Gesellschaft beigetreten; Kunst und Leben wurden fortan durch die Lehren Rudolf Steiners mitgeprägt. Die Zweite: In jener Zeit begegnet er während eines Sommeraufenthaltes auf der Halbinsel Walcheren in der niederländischen Provinz Zeeland dem Malerkollegen Jan Toorop. Er war der erste Niederländer, der den von Georges Seurat und Paul Signac entwickelten Pontillismus aufgreift und in Form des  Luminismus  seine niederländischen Variante entwickelt: Mit Kompositionen, die nicht aus Flächen oder Linien, sondern ausschließlich aus getupften farbigen Punkten bestehen, sollten im Auge des Betrachters leuchtende Farbflächen entstehen. Mondrian malt in dieser Zeit  viele gotische Kirchen in Pastelltönen, die stark an die Bilder der französischen Pointillisten erinnern.  

Die aber wohl entscheidendste Veränderung in seinem reifen Werk findet statt, als Mondrian 1912 in Paris auf den Kubismus stößt: Jetzt kommt es zu jener konsequenten Abkehr von der Gegenständlichkeit und der Reduktion auf die Primärfarben, die seine Kunst für immer unverwechselbar macht. Mondrian verzichtet dabei, anders als die meisten so genannten ‚Kubisten‘ seiner Zeit, gänzlich auf Volumen und räumliche Tiefe. Sein alles dominierendes Stilelement werden jene schwarzen Gitter auf weißem Grund, deren unterschiedlich große, gelegentlich symmetrisch oder spiegelbildlich angelegte Flächen er mit Primärfarben ausfüllt. Das Ganze wird von ihm selbst als neoplastizistischer Stil bezeichnet. Zahlreiche Beispiele dieser so entstandenen berühmten Farbfeldbilder können wir schließlich im oberen Bereich der Ausstellung bewundern: Etwa das „Komposition II“ genannte Bild von 1920, die „Komposition mit Rot, Blau, Gelb und Grau“ von 1921,

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und schließlich die „Komposition mit Linien und Farbe: III“ von 1937: Auf einem schwarz-weißen Gitter springt ein einziges blaues Rechteck dem Betrachter förmlich ins Auge. – Es sind insgesamt sind 51 Bilder zu sehen; besonders erfreulich, dass es gelungen ist, die Schätze aus international renommierten Museen in den USA, in England und in Holland ausleihen zu können – dazu kommen Leihgaben zahlreicher Privatsammler.

Die Ausstellung: „Mondrian. Farbe“ ist am 01. Februar d.J. eröffnet worden; sie soll noch bis zum 11. Mai zu sehen sein. Anschrift:  Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 2000 Hamburg; tgl. 11.00–19.00, Do bis 21.00 Uhr geöffnet.

Text: Dr. Hans-Joachim Hupe – Fotos: Karin Hupe

 

1 comment to Exkursion Hamburg „Mondrian“

  • Anke Carstens-Richter

    Hallo Ihr beiden,

    Euer gemeinsamer Bericht ist ja eine wunderbare Erinnerung an die vielen, so unterschiedlichen Bilder von Piet Mondrian, die wir im Bucerius-Kunstforum gesehen haben. Tatsächlich konnte man seine Entwicklung vom gegenständlich malenden Künstler zu einem radikalen Vertreter der Abstraktion hervorragend nachvollziehen.
    Unser Berlin-Besuch war ebenfalls ein voller Erfolg mit vielen unterschiedlichen Eindrücken, übrigens bei fast durchgehendem sonnigen Wetter. Ihr habt etwas versäumt und ich habe Euch vermisst.

    In der Hoffnung, dass es Euch beiden gut geht, grüße ich Euch ganz herzlich,
    Anke.

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