Zur Ausstellung v. Magdalena Starck-Burckhardt: „Botschaften und Wahrnehmungen“

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

an diesem Freitag, dem 25. April 2014, wird um 19.00 Uhr im Foyer des >HELIOS Klinikum Schleswig< die Ausstellung „Botschaften und Wahrnehmungen“ mit Arbeiten von Magdalena Starck-Burckhardt eröffnet. Laudatio: Rolf-Jürgen Wind. Musik wird es diesmal von der ‘Konserve’ geben: Auf Wunsch der ausstellenden Künstlerin wird die Sinfonie Nr. 7 von Gustav Mahler (Klassik CD) zu hören sein (HJH).

Einführung anlässlich der Vernissage von Magdalena Starck-Burckhardt durch Rolf-Jürgen Wind. 

„Durch die Nacht der vorherigen Sätze gelangt die Sinfonie zum hellen Licht des feierlichen Finales. Das Jubelfinale beginnt mit einem feierlichen Paukenmotiv, worauf sich ein festliches und jubelndes Refrainthema des ganzen Orchesters entwickelt, welches entfernt an die Ouvertüre zu Richard Wagners >Meistersänger von Nürnberg< erinnert. Das erste Couplet – scherzhaft-satirische Lied – gibt einen kurzen tänzerischen Impuls, welcher schnell wieder durch das Refrainthema abgelöst wird. Insgesamt kehrt dieser Refrain nicht weniger als acht Mal wieder. Die Couplets entwerfen dazwischen tänzerische, idyllische und an die musikalische Historie erinnernde Bilder. Die Wiederkehr des Refrains findet jedes Mal in äußerst feierlicher und stetig jubelnder und sich steigernder Form statt. Der teilweise lärmende Hang des Satzes zum Monumentalen, scheint alle Formen wirkungsvoller Schlussbilder der Musikgeschichte in sich vereinigen zu wollen, was unweigerlich zu einem „sich zu Tode feiern“ des Finals führt.“

Das, verehrte Gäste und liebe Kunstfreunde, ist ein Ausschnitt aus der in wohlklingenden Worten verfassten Werkbeschreibung zu dem soeben angespielten 5. Satz „Rondo-Finale“ aus der 7. Sinfonie von Gustav-Mahler.

Eben diese 7. Sinfonie, deren Entstehungsprozess zu den mühsamsten Schöpfungen Mahlers gehört haben soll, hat unsere heutige Ausstellerin, Magdalena Starck-Burckhardt, 2011 im Rahmen einer Kunstreise in der Essener Philharmonie erlebt und wie folgt beschrieben: „Es hat eine unendliche Tiefe in mir berührt; ich war tief beeindruckt und entspannt; ich habe mich fallengelassen und das bewegende  Klangerlebnis tief in mich aufgenommen“.  Zitatende.

Erst später verspürt sie einen starken Drang, alles, was sie an emotionalen Klangempfindungen  in sich aufgenommen und mit einer Vielzahl von Ideen im Kopf und Bauch als Bildfragment vorbereitet hat, nach Außen zu tragen. Als Ergebnis  dieses „emotionalen Befreiungsschlages“ präsentiert sie uns heute, eingebunden in ihre beeindruckende Gesamtpräsentation „Botschaften und Wahrnehmungen“, ein aus fünf Einzelarbeiten miteinander verknüpftes, von Harmonie, Bewegung, Schwingungen und Farbexplosionen  getragenes Bildmusikwerk zu Mahlers 7. Sinfonie. Gehängt ist die fünfteilige Bildreihe  hier an der rechten Außenwand.

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Verehrte Anwesende, der soeben von mir geannte  Ausstellungstitel „Botschaften und Wahrnehmungen“ im Zusammenwirken mit dem uns heute von der Künstlerin präsentierten Gesamtkunstwerk, weckt bei mir die Erinnerung an einen Sinnspruch  von dem bedeutenden, im Jahre 1754 hier in Schleswig  geborenen Maler – Asmus Jakob Carstens mit folgendem Wortlaut: „Die Kunst ist eine Sprache der Empfindung, die da anhebt, wo der Ausdruck mit Worten aufhört“. 

Eben dieser Sinnspruch, in der Rhetorik auch  Aphorismus genannt, fand mein  besonderes Interesse, weil er für mich einen engen Bezug zwischen der heutigen Ausstellerin und dem vor gut 250 Jahren lebendenden Maler herstellt. Sowohl Carstens, als auch unsere heutige Künstlerin Magdalena Starck-Burckhard verstehen die Kunst als eine Sprache der Empfindungen, der Wahrnehmungen, wie auch der Gefühle und Botschaften.

Bei einem weiteren Vergleich beider Künstler wird deutlich, dass jeder von ihnen die Fähigkeit besaß bzw. besitzt, die, von der individuellen Wahrnehmung geprägten Erlebnisse in sich aufzunehmen, um sie anschließend …und hier beziehe ich mich vorrangig auf das künstlerische Schaffen von Magdalena, in ihre eigene Bilderwelt zu übertragen. So sind die themenbezogen gestalterischen und inhaltlich relevanten  Kompositionselemente in Einzelfällen schon Tage, unter Umständen auch Wochen vor dem eigentlichen Schaffensprozess in ihrem Kopf gelagert und gereift. Das gleiche gilt für die Auswahl der harmonisch aufeinander abgestimmten Farben sowie der Einsatz zusätzlicher Mal- und Bindemittel. Erst mit Beginn des Malvorgangs werden die von ihr eher schemenhaft gespeicherten Bildvorlagen in einer häufig explosiv anmutenden  Spontaneität nach  „Außen“  auf die Leinwand oder auf einen von ihr ausgewählten und speziell vorbereiteten Bildträger gemalt, gespachtelt, gespritzt und häufig auch gewischt. Grundsätzlich aber sind die soeben geschilderten Schaffensprozesse von ihrer momentanen Stimmungs-, Gefühls- und Empfindungslage getragen und ähneln häufig einer Erlösung aus ihren momentanen physischen wie auch psychischen Spannungszuständen.

Während die Künstlerin in früheren Schaffensjahren noch vorwiegend transparente matte Farben auf Wasserbasis auf die unterschiedlichen Malgründe trägt, um die Malvorgänge zu beschleunigen, besticht sie in ihren heutigen, lichtdurchfluteten Farbsinfonien eher durch den Gebrauch stark leuchtender, meist reiner Öl- oder Acrylfarben. Diese trägt sie, wie die in letzter Zeit gleichfalls häufig zum Einsatz gebrachter Öl- Tempera – Mischtechnik,schwungvoll, z. T. ineinander-fließend, z. T. lasierend und transparent durchscheinend, sowohl in  komplementären Kontrasten, als auch in feinen, den Farbwerten angepassten Abstufungen, auf die Leinwand. Auffällig bei den von ihr verwendeten Farben ist für mich der häufige Gebrauch wohltuend unterschiedlich nuancierter Blautöne – beispielhaft verweise ich in diesem Zusammenhang auf die beiden Triptychen, links vom Eingang sowie  rechts auf dem Weg zum Durchgang. Mit dem Farbton „Blau“ , so teilt mir Lena mit, verbindet sie eine besondere Affinität zu dem sie prägenden Element Wasser.

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Zusätzlich zu den soeben geschilderten Schaffensprozessen bindet sie  eine Vielzahl technischer wie auch experimenteller Arbeitsmethoden in ihre spannende künstlerische Tätigkeit mit ein. So werden z. B. Bilder über …bzw. Bilder in Bilder hinein gemalt  – es wird Farbe auf das Bild gesprüht – es wird von ihr in die schemenhaft zu erkennenden Bildelemente  hineingeritzt – es werden die Konturen durch zusätzliche, in stark dunkle oder grell aufblitzende Farben gezeichnete Linien, verstärkt – und es werden von ihr ergänzend collagierende und häufig artfremde Materialien auf die Bilduntergründe gebracht.

In ihrer jüngsten Schaffensperiode nutzt sie selbst alte bemalte Leinwände, indem sie diese in unterschiedlich breite Streifen schneidet, um sie anschließend überlagernd auf den Untergrund zu kleben. Die dadurch erzeugten farb- und lichtdurchfluteten Bildgeflechte zeigt sie heute zum ersten Mal. Die von ihr in unterschiedlicher Ausführung gefertigten Arbeiten sind zum einen an der mir gegenüberliegenden Wand, zum anderen auch an der rechten Seite im Durchgang zu bewundern.

Verehrte Gäste, liebe Kunstfreunde, diese soeben geschilderten unterschiedlichsten Arbeitsmethoden   nutzt die Ausstellerin nicht nur, um die Harmonie und Ausgewogenheit der Bild- und Farbkompositionen zu unterstreichen oder um uns den Eindruck und das Erleben von Tiefe und Räumlichkeit zu vermitteln. Sie nutzt die eigens kreierten Einsatzmittel ebenso, um die auf aktuelle Ereignisse und Erlebnisse Bezug nehmenden Themen zu verdeutlichen und hervorzuheben. Auf diese Weise lässt sie dem Betrachter mit ihren expressiv anmutenden Werken, die sich für mich  teilweise der surrealistischen Ausdrucksweise nähern, genügend Raum für eigene Interpretationen. So finden wir im Zentrum ihrer Kompositionen häufig Bildelemente von Frauengestalten, die eine starke Anbindung an ihre eigene Geschlechtlichkeit erahnen lassen. In anderen Darstellungen entdecken wir die Figur in der Figur, die unschwer eine Deutung als Symbol für Sehnsucht, Intimität oder auch Verschmelzung zulässt. Ebenso erleben wie in ihren Bildern Figuren und Figurenfragmente, die von wogenden Farbbahnen in verschiedenen, warmen Farbtönen mehrfach umhüllt sind. Sie erzeugen den Eindruck von Bewegung und Dynamik – bewirken gleichzeitig die Illusion von Räumlichkeit und Tiefe.

Diese, den Wellen ähnelnden Farbstrukturen sind ein häufig wiederkehrendes Stilelement. In diesen Wellengebilden erkenne ich das ineinanderfließende Element eines seit Kindheitstagen sich fortentwickelnden künstlerischen Schaffensdrangs. Dieser Eindruck verstärkt sich in mir, als mir Magdalena berichtet, dass ihr die Kunst durch ihre gleichfalls kreativ bzw. künstlerisch sehr begabten Eltern bereits in die Wiege gelegt worden ist. IMG_3105 IMG_3106

Ergänzend teilt sie dem Leser in einer von ihr persönlich verfassten Vita mit: „Ich kann mich daran erinnern, dass ich von der frühesten Kindheit an, alles was mir in die Hände kam, verändern musste. Ich schien nicht zur Ruhe zu kommen. Ich musste formen, modellieren, handarbeiten, malen und musste phantasievolle Geschichten, die ich mir selbst ausgedacht hatte,  erzählen.“ Zitatende.

Des Weiteren berichtet mir die Künstlerin, dass sie sich in späteren Jahren, als Älteste von fünf Geschwistern, hervorgerufen durch die Erzählungen, eine eigene Bildwelt mit menschlichen Gestalten in bunten Farben auszumalen beginnt. Gesichter, aber auch andere gegenständliche Formen lösen sich auf und es hat für sie den Anschein, als würde sie eins mit der sie umgebenden Landschaft. Verständlich ist daher, dass in vielen der auch heute hier von ihr gezeigten Werken menschlich anmutende Wesen und ausdrucksstarke Gesichter zu erkennen sind. Passend hierzu finden wir in ihrer Vita eine, wie ich meine, bewegende Erklärung in lyrisch anmutender Textform mit folgendem Wortlaut:

„Das menschliche Gesicht ist für mich eine  Landschaft, eine Landschaft, wo der Hass wütet und wo die Liebe keimt, wo Kriege erklärt werden und wo Feste stattfinden, wo der Schmerz sich ansiedelt, wo leblose Augen dich vernichten. Der Schmerz zieht sich Furchen.- Die Sattheit nistet sich ein. – Wo Geistigkeit sich auftut und Leben sich verwirft, wo Himmel und Hölle sich widerspiegeln. – „ Zitatende.

Liebe Lena, ich, der mit Dir am selben Tag, im selben Jahr geboren wurde und vielleicht auch deswegen eine gewisse Seelenverwandtschaft zu Dir und Deiner Kunst verspürt,  freue mich, dass Du mir erlaubt hast, diese Passagen aus Deinem Lebensbericht zu verlesen…und möchte Dir mit einem letzen kleinen sinnbildenden Aphorismus für Deine Kunst und Deine beeindruckende Präsentation ganz herzlich danken:  

„Die Kunst ist durchblühtes Können. Dazu muss nicht nur der Körper die Technik beherrschen, der Geist muss beteiligt sein und das Herz sein Ja dazu sagen.“ 

Mit dieser Antwort auf eine ins Internet gestellte Fragestellung: „Was ist Kunst“, eröffne ich die heutige Austellung und wünsche Ihnen allen noch einen angenehmen Abend bei  unterhaltsamen Gesprächen.

Rolf-Jürgen Wind

 

 

 

 

 

 

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