Exkursion: V. Altenhof – Galerie Carlshöhe – M. Harms-Metzger

1) Das verwunschene Atelier von Volker Altenhof an der Steilküste von Altenhof bei Eckernförde:

Um 10.30 Uhr macht sich die 12-köpfige Gesellschaft in vier Fahrgemeinschaften auf den Weg zum Atelier von Volker Altenhof. Mit kurzen Beratungs- und Orientierungspausen und einer ‚genehmigten‘ Fahrt durch den Wald wird nach etwa einer halben Stunde das idyllisch gelegene Reetdachhaus  erreicht.

Der Hausherr empfängt uns im Garten und natürlich ist – sozusagen vor aller Kunst – der phantastische Blick auf das Wasser Thema Nr. 1..-  Dann geht es hinein; hier ist Wohnen und Arbeiten so offensichtlich zum Leben des Künstlers verdichtet, dass es keiner Erläuterung dazu bedarf. Die üppige ‚Hausausstellung‘, überwiegend in gepflegten, passenden Rahmen an den Wänden zu bewundern, lässt das zauberhafte, natürliche Ambiente des Waldgrundstücks für eine Weile vergessen. Volker Altenhof beantwortet geduldig alle Fragen – sowohl sein künstlerisches Werden als auch die Einzelheiten seines gegenwärtigen Schaffens betreffend. Wir erfahren, dass er sich seit langem vom „Öl“ verabschiedet habe, um den ihn ‚krankmachenden‘ Gerüchen und Dämpfen des Terpentins und seiner ‚Verwandten‘ zu entgehen..

Beim Betreten des Ateliers fällt der Blick sofort auf eine helle Leinwand, ca. 40 x 40 cm. Noch bevor wir fragen können, erläutert Volker Altenhof: ‚Da sind bis jetzt 10 Schichten drauf‘..- im Verlauf des Besuchs erfahren wir mehr über seine sich hier andeutende ‚Technik‘. Und wer sich die Zeit nehmen möchte, eine fundierte Experten-Aussage dazu zu lesen, dem sei folgende, zum Herunterladen angebotene ‚pdf-Datei‘ empfohlen: Dr. Uwe Beitz:  Volker Altenhof – „Briefe an den Horizont“; zum Appetitanregen hier ein kurzer Auszug:

Seine Arbeiten sind unverwechselbar, sie haben eine eigene Handschrift, die trotz des Variantenreichtums seines Schaffens sichtbar bleibt. Es gibt eine – paradox scheinende – Konstante in seinen Arbeiten: die stetig fortentwickelte eigenständige Mal-Technik. Spontaneität ist seiner Arbeitsweise fremd. Kleinformatige Skizzen und Farbstudien helfen, das gedachte Motiv zu klären, ehe die Arbeit auf der Leinwand mit dem Grundieren beginnt. Was banal klingt, da es jeder Tafelmalerei eignet, ist bei Volker Altenhof mehr als nur ein simples Einfärben der Leinwand. Er trägt zumeist aus Kreidepulver und weißem Carrara-Marmormehl sowie einem Binder gemischte weiße Spachtelmasse auf die Leinwand auf. Noch im feuchten Zustand wird diese Schicht mit Bürste, Schwamm oder anderem Handwerkszeug bearbeitet. Auf diese strukturierte, nur etwa einen Millimeter dicke Schicht wird ein erster Farbauftrag in lasierenden Temperafarben aufgelegt.

Ist die Farbschicht trocken, wird sie geschliffen – je nach gewünschter Oberflächenstruktur mit Sandpapier oder auch mit der nicht ganz ungefährlichen Schleifscheibe. Für den Feinschliff benutzt Altenhof dann Gaze. Durch das Schleifen erreicht er, dass höher stehende Reliefpartien der Grundierschicht stärker angeschliffen werden und dadurch wieder weiß erscheinen, während in den Vertiefungen die Farbe stehen geblieben ist. Dieser Ablauf von lasierendem Farbauftrag und anschließendem Schliff wird einige Male wiederholt, von dunkleren beziehungsweise kräftiger pigmentierten Farben hin zu helleren – zum Erreichen der gewünschten Wirkung bis zu zwanzig Mal. Dabei werden die unten liegenden Töne mehrfach gebrochen, ebenso die Weißtöne, die aber durchaus auch als helle Elemente durchbrechen können“ (Zitat Ende).

Es fällt uns schwer, uns von den faszinierenden Bildern ‚loszureißen‘, die auf diese oder ähnliche Weise entstanden sind. Zum Abschied wird noch eine lose Verabredung getroffen, wie sich interessierte Mitglieder des Kunstvereins in naher Zukunft zu Intensiv-Kursen unter die Fittiche von Volker Altenhof begeben können..-

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2) 13.00 Uhr: Mittagessen im „Café Emmas“ im ehemaligen ‚Preusser-Kasernement‘ „Carlshöhe“.

Angesichts der ersten ausgelieferten Essen bestellen die Angehörigen der zweiten Schicht nur noch ‚halbe Portionen‘; aber selbst diese stellen die Esser vor nicht geringe Probleme, so dass sich am Ende niemand mehr in der Lage sieht, Nachtisch zu ordern. Das ist aber kein Problem, denn sozusagen ‚überpünktlich‘ beginnt die für 14.00 Uhr angesetzte Führung mit unserer Abholung bei Tisch durch Frau Stefanie Dürkop.

Wir starten mit einem Rundgang durch das Gelände und erfahren eine Menge über ein offenbar schon jetzt gelungenes Bundeswehr-Liegenschafts-Konversionsprojekt, denn: Wir befinden uns in der ehemaligen „Preusser-Kaserne“; mit unendlich viel Liebe zur Sache – und ‚ebenso viel‘ Geld..- hat ein regionaler Bauunternehmer, Wolfram Greifenberg, das Gelände von der Deutschen Bundesmarine (Marine-Fernmeldeschule) erworben und zu einem multifunktionalen Arbeits-, Lebens-, Erlebnis- und Kunstraum gestaltet. Außer Büros, Praxen, Restauration, Einfamilienhäusern, Miet- und Eigentumswohnungen, einem Alten- und Pflegeheim gibt es auch einen „Carls-Showpalast“ und nicht zuletzt eine große Anzahl von Künstler-Ateliers –  mitsamt einer recht üppig dimensionierten Galerie für Dauer- und Wechselausstellungen; eine davon ist die gegenwärtige Zusammenstellung von Bildern, Plastiken, Installationen und fesselnder Fotokunst mit dem Titel: „ohnegehtnicht“. Auch unsere Ausstellungsbegleitung, Frau Dürkop, ist hier mit einer kleinen Anzahl eigener Werke vertreten, das sind überwiegend weiße Lackarbeiten und Collagen; damit ist sie offenbar recht ‚erfolgreich‘, denn eines ihrer größeren Bilder ist nicht nur am ersten Ausstellungstag verkauft worden, sondern hätte in der Folge gleich noch ein paar Mal veräußert werden können..-

Trotz ihrer verständlichen Freude darüber hält sie sich mit Eigenlob extrem zurück und betont statt dessen den ‚Segen‘ der Einrichtung an sich, die Vielfalt der Ausstellungen, auch der aktuellen, und das Können der Kolleginnen und Kollegen.

Hier ein wörtliches Zitat aus ihrer Vita (vgl. dazu die Homepage der Galerie): „Ich sehe das  Leben  für mich als ein Geschenk  – ein Geschenk des Sehens, des Geniessens, des Entdeckens. Mit meiner Kunst versuche ich dieses Geschenk umzusetzen – in all seiner Großartigkeit. Mal in Bildern, mal in Skulpturen. Mal Abstrakt – mal Offensichtlich. Ich vermische Techniken – lasse Dinge aufeinandertreffen,  die die oft festen Grenzen der klassischen Kunst überschreiten.

Mal kann ich „Buntstiften“ mal „Schwarzmalen“  – ALLES ist MÖGLICH – Das LEBEN ist BUNT – Und ich geniesse es!“  (Zitat Ende).

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Nachdem der 2. Vorsitzende sie noch in ein kurzes Gespräch über die ‚Aufhängungstechniken‘ verwickelt hat – und mit einem ‚Muster‘ der hier verwendeten, extrem praktischen Bilderhaken beschenkt worden ist, verabschiedet sich die Gesellschaft und macht sich auf den Weg zur dritten Station dieser Tagesexkursion.

 

 

3) 15.30 Uhr: Besuch im Atelier von Marianne Harms-Metzger in Barkelsby. Nach einer etwas umständlichen Suchfahrt in Barkelsby – und um Barkelsby herum – werden wir von der Hausherrin in ihrem Atelier herzlich begrüßt. Zur Verwunderung einiger Besucher gibt es nicht nur Bilder zu sehen – überwiegend mit Acrylfarben und Pigmenten ausgeführt – vom Öl hat sich die Malerin nach eigener Aussage bereits vor längerer Zeit verabschiedet -, sondern auch ein ‚Paar‘ naturalistisch geformter, überlebensgroßer ‚Betonköpfe‘; das bei Porträts in der Regel angestrebte Ziel „Wiedererkennungswert“ ist hier ganz offensichtlich erreicht..- Nach den dankbar genossenen Erfrischungsgetränken erfahren wir dann auch etwas über die Vorgeschichte der Künstlerin:

Frau Harms-Metzger schildert einige Stationen ihres menschlichen und künstlerischen Werdens; für besonders Interessierte sind Weg und Ziel ausführlicher beschrieben unter >Kulturmonographie Eckernförde< – Stichwort: ‚Malen‘ – <www.eckkult.de>:

Geboren 1955 in Zeven / Niedersachsen und dort aufgewachsen

von 1972 – 1981 Lebensabschnitte in Bremen und Freiburg / Br., dann an der Ostsee sesshaft geworden

1984 mit der Malerei begonnen, zunächst Ausbildungen in Künstlerateliers

1994 Gaststudium an der Kunststudiensstätte Ottersberg

2001 Gaststudium bei Pentiment, Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg

Mitglied im: Kunst- und Kulturverein Eckernförde, Kunstverein in Norderstedt, Pommerscher Künstlerbund

Arbeitsschwerpunkte: Malerei (Mischtechnik) und Drucktechnik

Seit 1995 Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in: Galerie Carlshöhe, Gustav-Heinemann-Bildungsstätte, Eckernförde Rathaus, Maschinenhalle der Stadtwerke Eckernförde, Galerie Lubinus clinicum Kiel, Heimatmuseum Norby, Itzehoer Versicherung in Itzehoe, Galerie im Wilhelminenhaus Kiel, Kieler Kloster, Weltwirtschaftsinstitut Kiel, Kulturzentrum Eppendorf in Hamburg, Rathaus Norderstedt, Orangerie Putbus / Rügen, Pommernhus Greifswald, Kulturverein Beverstedt, Schloß Schönhagen, Kopenhagen u. Söby / Dänemark, Stettin / Polen

Meine Malerei ist für mich: Vielfalt und Unbegrenztheit zulassen können – sich mit dem Inneren des Wesens auseinander zu setzen – Ziele und Ergebnisse wechselnd zwischen Schönheit und großer Ernsthaftigkeit zu erleben – auch Spiel und Spass – ist Grenzgang zwischen Entstehung und Zerstörung – sowie Ruhe und Unruhe…..–

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Mit der Übergabe des vom 1. Vorsitzenden mitgeführten ‚Dankeschöns‘ und unserer Verabschiedung löst sich die Gesellschaft auf; die bewährten Fahrgemeinschaften treten nach einem erfüllten – ja, so klingt es hier und da -, nach einem beinahe  ‚z u  vollen‘ Tag den Heimweg an.–

Text: Dr. Hans-Joachim Hupe      Fotos: Karin Hupe u. >Kunst u. Kultur<

 

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