Einführung zu: „Naturgewalten“ – v. Dr. Anke Carstens-Richter

„Naturgewalten“

Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins Schleswig und Umgebung e.V. 

„Die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde spielten schon in der griechischen Mythologie eine entscheidende Rolle. Die Philosophen der damaligen Zeit vermuteten, dass alles Sein aus diesen vier Grundelementen bestehe. Empedokles lehrte im 5. Jhdt. v. Chr., dass diese vier Elemente ewig existierende und unveränderliche Grundsubstanzen seien, aus denen sich durch Mischung die Vielfalt aller anderen Stoffe bilden würde. Das ließe sich durchaus als frühe Vorläufer heutiger Wissenschaft bezeichnen, aber die Elemente wurden in der griechischen Mythologie zunächst als Götter eingeführt.

Von derartigen Gedankengängen ist die heutige Wissenschaft ebenso weit entfernt wie all diejenigen, die sich künstlerisch mit dem Thema „Naturgewalten“ auseinandersetzen. Sie werden jedoch ganz selbstverständlich von den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde inspiriert und zu ihren Bildern angeregt. Das macht diese Ausstellung mehr als deutlich, die den Besucher gleich am Anfang mit zwei großformatigen Gemälden zum Thema Gewalt des Wassers konfrontiert. Sie zeigen nämlich Schiffswracks, die auf felsige Küsten geworfen worden sind. Zu derartigen Katastrophen kommt es ja glücklicherweise nur, wenn Sturm über das Meer peitscht, die Luft also extrem aufgewühlt ist.

Welche Kräfte dadurch entfesselt werden, wird auch auf etlichen anderen Bildern thematisiert, wenn etwa schaumbekrönte, hohe Wellen die Warft einer Hallig umtosen, Bäume durch den Sturm niedergebeugt werden oder gar Äste abbrechen und nur noch Baumruinen übrig bleiben. Dabei kommt nun die Erde ins Spiel, denn die Bäume brauchen sie schließlich, um überhaupt wachsen zu können. Es können fast undurchdringliche Urwälder mit üppiger Vegetation entstehen, aber auch vollkommen kahle Sanddünen, die sogar menschliche Ansiedlungen unter sich zu begraben vermögen. All diese Möglichkeiten werden auf den Bildern dieser Ausstellung präsentiert.

Dass Wind und Wasser aber auch friedlich zusammenwirken können, zeigt das großformatige Gemälde eines mit geblähten Segeln über das Meer gleitenden Dreimasters. Und auch die höchst positive Ausnutzung des Windes zur Erzeugung von Strom wird auf einem Aquarell mit hohem, bewegtem Himmel und Windmühlen am Horizont dargestellt.

Feuersbrünste im Wald, Vulkan-Eruptionen, vom Feuer verkohlte Hölzer, Magma im Erdinneren – all diese beängstigenden Assoziationen werden durch die hier gezeigten, sehr unterschiedlichen Darstellungen beim Betrachten hervorgerufen. Und immer wieder kommt der Gedanke, wie klein doch die Kräfte des Menschen im Vergleich zu Naturgewalten sind.  Dass Wasser, das ja den größten Teil unseres Planeten bedeckt, nicht nur durch orkanartige Böen und Sturmfluten für Menschen und Schiffe äußerst bedrohlich werden kann, wird auch auf etlichen Bildern deutlich, die sich dem Thema des gefrorenen Wassers nähern. Da sind große, gefährlich spitz zulaufende Eisberge zu sehen und ein im Eismeer geformtes Tor. Aber auch die Macht des Frostes wird auf einigen Bildern thematisiert, die ein vom Schnee bedecktes Fischerboot oder das winterliche Schleiufer bei Reesholm zeigen. Diese Bilder strahlen allerdings eine große Ruhe aus, weil alles Leben durch Frost und Schnee wie erstorben erscheint.

Ebenso vielfältig wie die Darstellungen zum Thema „Naturgewalten“ sind auch die künstlerischen Mittel der Umsetzung: Es gibt Öl- und Acrylbilder, Pastelle, Aquarelle, feinste Zeichnungen, Radierungen und Fotos, sogar ein Holzobjekt ist dabei.

Ich staune immer wieder darüber, mit wie viel Phantasie und Kreativität sich die Mitglieder des Kunstvereins einem Thema stellen, das durch Diskussion und Mehrheitsbeschluss zustande gekommen ist und auf den jährlichen Gemeinschaftsausstellungen präsentiert wird. Gespannt bin ich jetzt schon auf das nächste Thema und die künstlerischen Ergebnisse des kommenden Jahres“.

Dr.  Anke Carstens-Richter                                               Oktober 2014

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