Exkursion NordArt 2014 – Eine Nachlese v. Horst-Peter Junge

Exkursion NordArt 2014 – eine Nachlese

„Die seit 1999 in der stillgelegten Carlshütte in Büdelsdorf stattfindende internationale Ausstellung >NordArt< gehört zu den größten jährlichen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Der Besuch der Ausstellung ist für den Kunstverein ein „Muß“. Auf den Besuch der „Langen Nacht der Lichter“ sollte heuer verzichtet werden; daher ging die Exkursion schon am 27. August vonstatten. 18 Personen mitsamt dem 1. Vorsitzenden waren in Fahrgemeinschaften zur Carlshütte gekommen und hatten bei schönem Sommerwetter zunächst genug Zeit für eine Erkundung des Skulpturenparks auf eigene Faust.

Gegen 14 Uhr begrüßte uns in der Wagenremise eine charmante junge Dame – bald mit einem Masterabschluß in Design und Kommunikation -, die dann in einer mehr als einstündigen Führung unsere Aufmerksamkeit auf ausgewählte Ausstellungsobjekte lenkte und uns die Intentionen der betreffenden Künstler vermittelte. Natürlich war es eine subjektive Auswahl; aber der Umstand, dass alle später mit dem NordArt-Publikumspreis 2014 ausgezeichneten Arbeiten darunter waren, beweist die Kompetenz der jungen Dame.   Eingangs erfuhren wir von den Dimensionen der jurierten Ausstellung: es gab ca. 3000 Bewerber aus 101 Ländern – ausgestellt wurden 250 Künstler aus 55 Ländern. 2014 galt das besondere Interesse Russland – trotz Krim-Konflikt; im „Russischen Pavillon“ waren Arbeiten von 40 renommierten Künstlern aus der Moskauer und Sankt Petersburger Kunstszene zu sehen – ein Zeichen des gewollt unpolitischen Charakters der NordArt.

Ein weiterer Höhepunkt fand sich mit dem „China Garden – Confronting Anitya“, einer Schau chinesischer Gegenwartskunst, die bereits auf Biennale 2013 in Venedig Aufsehen erregte. Mit der Öffnung zum Westen übernahm China nicht nur die Industrialisierung, sondern auch ästhetische Vorstellungen und Ausdrucksmittel. China’s Künstler kopierten zunächst westliche Kunstformen, bis renommierte Künstler ab den 1990er Jahren traditionelle chinesische Konzepte mit zeitgenössischen westlichen Standards verbinden konnten. Diese Schau demonstriert eindrucksvoll die Höhe chinesischer Gegenwartskunst.

Schließlich präsentierte die NordArt 2014 als Kooperationspartner eines Projektes dänischer Bildhauer insbesondere Skulpturen dänischer Künstler.

Verständlich, dass die Ausstellungsführung durch die NordArt nicht mehr als einzelne Glanzpunkte setzen konnte und uns im besten Fall zu einem längeren Besuch motivieren würde. Angefangen in der Wagenremise, weiter mit neuen Skulpturen im Park und schließlich durch die Hallen – wir kamen bei den Informationen unserer Begleiterin und ästhetisch voll auf unsere Kosten. Jürgen Wind dankte dafür am Ende in unser aller Namen mit dem Bekenntnis:„ …wir könnten Ihnen noch lange zuhören!“

Die Exkursion endete nach dem Besuch des „China Garden“ mit dem gemeinsamen Kaffeetrinken im Café „Alte Meierei“ neben der Wagenremise; siehe Bild Nr. 15. Da hatte man Gelegenheit, sich noch über die Ausstellung auszutauschen, bevor die Rückfahrt nach Schleswig getrennt angetreten wurde.

Dieser Bericht entstand, nachdem die NordArt 2014 wieder geschlossen war. Der Chronist konnte daher die Preisträger des NordArt-Publikumspreises 2014 aus dem Internet ermitteln:

1. Preis: China Garden – Confronting Anitya (an Liang Kegang als Kurator) – siehe Bilder 11-14

2. Preis: Jovanca Stanojevic (Serbien) für die Malerei „Vater“ – siehe Bild 06

3. Preis: Dmitry Gutov (Russland) für die Arbeiten „Jupiter & Semele“ und „Tereus & Philomela“ – siehe Bild 08.

Kompliment an unsere Begleiterin durch die Ausstellung, dass sie uns diese Arbeiten gezeigt hatte.

Einige Fotografien sollen unseren Besuch der NordArt 2014 illustrieren:

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Nr. 01: in der Wagenremise; unsere Führerin interpretiert die Skulptur „Erlösung“ von Jerry Adder (Dänemark). Seelische Konflikte im Figürlichen ausgedrückt.

Nr. 02: in der Wagenremise; Skulptur „Le Mepris“ von Miriam Lenk (Deutschland). Schwellende Sinnlichkeit (Kopf von Brigitte Bardot) – ein Antibild zur zeitgenössischen Fleischfeindlichkeit.

Nr. 03: in der Wagenremise; Malerei „Die Esser Christi“ von Vladislaw Lakse (Lettland), provokative Malerei mit Bezügen zu Rembrandts „Anatomie des Dr. Tulp“.

Nr. 04: am Teich; vorn die Skulptur „Wolga River“ von Alexander Taratynov (Russland). Verrätselte Plastik, von einzigartiger Ästhetik und sich harmonisch in Raum oder Natur einfügend.

Nr. 05: im Park; Skulptur „Schlittschuhläufer“ von Michail Dronov (Russland). Eingefrorene Dynamik.

Nr. 06: in Halle 1; Malerei „Vater“ (Mischtechnik, 300×200 cm) von Jovanca Stanojevic (Serbien), eine Darstellung mit frappierender Plastizität.

Nr. 07: in Halle 1: unsere Führerin erläutert die Skulptur „Pythagoras‘ Geliebte“ von Malgorzata Chodakowska (Polen), bemalte Bronze, 120 cm.

Nr. 08: in Halle 2: geschweisstes Bild „Tereus & Philomela“ von Dmitry Gutov (Russland); Illusion durch frontale Überdeckung von zwei gestaffelten Teilbildern. Wer sich von der Seite nähert, erkennt zunächst nichts.

Nr. 09: in Halle 3, ausgangs des Russischen Pavillons: Bronzeskulptur „Winston“ von Alexander Taratynow; die Mitarbeiter der NordArt assoziieren mit der breitbeinig-freundlichen Figur Wladimir Putin anstatt Sir Winston Churchill.

Nr. 10: in Halle 3: Kunstmaschine „Magic Mushroom“ von Willi Reiche (Deutschland), Schweißtechnik, Elektromotoren, Aluminium, 370x245x245 cm. Spielerisches Perpetuum.

Nr. 11 bis 14: in Halle 4: Objekte aus dem „China Garden – Confronting Anitya“

Nr. 11: o.T., von Li Hongbo, Holzstamm verwandelt sich in Papier- eine Illusion: tatsächlich ein Papierstapel.

Nr. 12: o..T., von Xiao Yu, vermutlich Landschaft, in metaphysischem Realismus gestaltet.

Nr. 13: o.T., von Guo Yan, Kimono aus verbundenen ID-Cards.

Nr. 14: Detail zu Nr. 051.

Nr. 15: im Café „Alte Meierei“

Chronist: Horst-Peter Junge

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