Exkursion nach Flensburg

Zur Exkursion nach Flensburg am Donnerstag, dem 12. März 2015:

Auf dem Plan steht eine Exkursion des Kunstvereins zu zwei Zielen in Flensburg. Von 11.00 – 12.00 Uhr wollen wir uns auf dem Museumsberg die Ausstellung „Verglühte Träume. Werke junger Künstler, Opfer des 1. Weltkriegs“ ansehen. Am Nachmittag ist dann ein Atelierbesuch bei Hans-Ruprecht Leiß vorgesehen.

Wie verabredet, trifft sich die Reisegesellschaft um 09.45 Uhr auf dem Schleihallenparkplatz – es sind 23 TeilnehmerInnen angemeldet; in Fahrgemeinschaften geht es kurz nach 10.00 Uhr los.

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I. Flensburg – Museumsberg

Im Museum werden wir von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Hauses, Frau Dr. Dorothee Bieske, in Empfang genommen und ca. eineinhalb Stunden lang durch die Ausstellung geführt.

Sie weist uns daraufhin, dass bei der Auswahl der Werke resp. ihrer Schöpfer Wert darauf gelegt worden sei, nicht – wie in den meisten Ausstellungen üblich – die allenthalben bekannten Künstler jener Zeit zu präsentieren, sondern im Gegenteil, gerade und besonders diejenigen vorzustellen, die eben durch späten Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn, durch langes Studium, ja auch durch experimentelles Suchen nach ihrem Weg, vor allem aber durch ihre allzu kurze Schaffensperiode – bei fast allen bedingt durch ihren frühen Tod auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges -, erst gar keine Möglichkeit hatten, sich einem größeren Publikum bekanntzumachen. Und so widmet sich die Ausstellung den Werken von acht Künstlern, die in den Jahren vor 1914 in der Kunstszene bereits als vielversprechende Talente galten, aber eben nicht die Popularität eines Franz Marc oder August Macke erreichten: Benno Berneis, Hans Fuglsang, Franz Seraph Henseler, Wilhelm Morgner, Franz Nölken, Otto Soltau, Hermann Stenner und Albert Weisgerber  hatten in jenen Jahren aber schon diverse Ausstellungen und ihre Namen waren in Kunstkreisen wohlbekannt.

Mit diesem Basiswissen vorbereitet, wandern wir dann von Raum zu Raum; wir erfahren, dass sie ab 1914 alle begeistert in den Krieg zogen – und dort sehr bald ihr Leben verloren..- Es fröstelt die Besucher bei den Informationen darüber, mit welchen Idealen, ja mit welcher Euphorie einige von ihnen an die Front gefahren waren; im Folgenden sind auszugsweise einige der Erläuterungen dazu sinngemäß wiedergegeben: ‚Die acht ausgewählten Künstler unterscheiden sich in Herkunft, Ausbildung, Lebensführung und in ihrer Kunst sehr…Jeder von ihnen hatte das Zeug zu einer ganz großen Karriere – von Hans Fuglsang aus Flensburg bis Albert Weisgerber aus München, von Otto Soltaus Beschwörung nordischer Mythen bis zu Wilhelm Morgners kosmischen Visionen. Ihre Bilder repräsentieren verschiedene Facetten der Avantgarde. Sie geben einen Einblick in die Zeit, die Kunst und die Sehnsüchte ihrer Generation.

Sie erhofften sich eine Neuordnung kultureller Werte, ein Abstreifen  veralteter Traditionen, ein Abdanken der konservativen Mächte; und dann kam der Krieg…Wie eine große Wäsche sollte der Krieg wirken und ein blitzblankes weißes Tableau hinterlassen, auf dem sich etwas Neues aufbauen ließe. Manche glaubten gar, dass sich ein „neuer Mensch“ aus der Asche des Krieges erheben würde; doch diese Hoffnungen zerbrachen bald auf den Schlachtfeldern. 90 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen spiegeln ihre Träume – verglühte Träume‘.

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II. Im Atelier v. Hans-Ruprecht Leiß

Nach einem gemeinsamen Mittagessen beim ’neuen Italiener‘, im >RISTORANTE SOLITÜDE<, begibt sich die Gruppe zum nur wenige Gehminuten entfernt liegenden Atelier von Hans-Ruprecht Leiß.

Dort begrüßt uns ein erkennbar gut gelaunter, ja fröhlicher Hausherr und lädt ein zu Wein, Wasser und kleinen Knabbereien. Es dauert ein wenig, bis alle in dem relativ kleinen Raum, der geradezu ‚quillt‘ von Mitbringseln aus der ganzen Welt (alles Utensilien, die immer wieder als ‚Malvorlagen‘ in die wundersamen Bilderwelten des Hans-Ruprecht L. einfließen) -, ein geeignetes Plätzchen gefunden haben. Geeignet in dem Sinne, dass sie etwas sehen können von dem, was sich nun auf dem Arbeitstisch des Künstlers abspielt. Er hält sich nicht lange mit der Vorrede auf, sondern greift zu einem Malkarton, dessen Format (ca. 60×50 cm) bis auf kleine Ränder von einer mächtigen Krabbe gefüllt wird; sie wirkt auf den ersten Blick wie ein grau-braunes Aquarell oder ein in diesen Grundtönen lasierter Entwurf.

Und flugs macht sich der Meister mit Pinseln in ganz unterschiedlichen Stärken, Breiten und Härten und einem halben Dutzend Farbfläschchen an die Arbeit.

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Staunend sehen die Besucher, wie mit leichter Hand zügig die Pinsel bewegt und die Farben gemischt werden, wie die Vorlage Schicht für Schicht eingefärbt wird und immer attraktiver erscheint; und das Ganze scheinbar ohne Plan, jedenfalls ohne für die Zuschauer erkennbares ‚System‘..-

Und während dieser ganz intensiven Beschäftigung mit Papier und Farben erläutert Hans-Ruprecht Leiß seine Arbeit Schritt für Schritt – oder besser: Pinselstrich für Pinselstrich, beantwortet geduldig alle Fragen, erzählt auch sehr ‚Persönliches‘ vom eigenen Werden, von Vorstellungen und Wünschen, von Erfolgen und Zuspruch, aber auch von Verständnislosigkeit, ja auch von Fehlern, vom Mißlingen – und wird uns als Künstler wie als Mensch auf diese Weise immer ein wenig bekannter, vertrauter und sympathischer. Als eine Zwischentrocknung notwendig wird, greift der Künstler noch zu ein paar anderen Arbeiten und setzt auch hier Begonnenes souverän fort.

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So vergeht die Zeit – fast zwei volle Stunden -, wie im Fluge; es wird noch ein wenig gefachsimpelt, gekauft und signiert; wir fühlen uns geehrt und reich beschenkt durch die Einladung und diese ‚phantastische Lehr- und Unterrichtsstunde‘. Wir verleihen unserer Freude und unserem Dank auch dementsprechend Ausdruck – und nach der Aushändigung unseres kleinen Geschenkes und einem herzlichen Abschied stehen wir für einen Moment wie in Trance ‚draußen vor der Tür‘..-

Nach einem langen, erfüllten Tag machen wir uns auf den Heimweg und bewahren im Gedächtnis nicht nur das Gesehene und Erlebte, sondern auch die Ermunterung des Künstlers, uns nicht zu scheuen, ’so etwas‘ gelegentlich zu wiederholen.–

Text: Dr. Hans-Joachim Hupe     –    Fotos: Karin Hupe u. Horst-Peter Junge

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