Zur Gemeinschaftsausstellung 2015 des Kunstvereins SL

Liebe Mitglieder, liebe Gäste und Freunde des Schleswiger Kunstvereins,

am 6. November d.J. ist um 19.00 Uhr  im Foyer des >HELIOS Klinikum Schleswig< die diesjährige Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins eröffnet worden – Thema: „Skurriles“. Frau Dr. Anke Carstens-Richter verdanken wir die gelungene Einführung dazu; dies verdient gesondert betont zu werden, denn erfahrungsgemäß ist es gerade diese jährlich einmal stattfindende Ausstellung der malaktiven Mitglieder des Kunstvereins, die sich als besondere Herausforderung für die jeweiligen Laudatoren darstellt. Gerade weil es so viele verschiedene ‚Interpreten‘ mit jeweils ganz unterschiedlichem künstlerischem Werden resp. Hintergrund sind, die sich eines vorgegebenen Themas annehmen, ist es eben nicht ganz leicht, für alle ein passendes, ein gutes Wort zu finden; das ist Anke Carstens-Richter einmal mehr vorzüglich gelungen. Auch von hier aus, liebe Anke, noch einmal herzlichen Dank für Deine Mühe. Und unser Dank geht auch an Ingo Leonhard, der die Abendgesellschaft mit seinem Saxofon auf die ihm eigene, angenehm-souveräne Weise begleitet hat. –

Eine ganz kleine Auswahl aus der diesmal besonders faszinierenden Vielfalt der ausgestellten Bilder ist in den untenstehenden Text eingefügt – die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.                                        

Diese Ausstellung wird voraussichtlich die letzte dieser Art in diesem Gebäude sein; d.h. für die TeilnehmerInnen: Ihre Bilder können bzw. sollten über die übliche 3-Monatsfrist hinaus möglicherweise bis zum >HELIOS Klinikum<-Umzug hängen bleiben. Wir haben die Ausstellung vorerst für die Zeit vom 6. November dieses Jahres bis zum 29. Februar 2016 angesetzt. Sollte der Kunstverein aber andere Informationen erhalten, etwa bezüglich einer Verschiebung des Umzuges resp. der Räumung des Foyers, so könnten wir relativ kurzfristig darauf reagieren und – wenn von >HELIOS< gewünscht -, doch noch eine Ausstellung auf die Beine stellen – warten wir also ab…(HJH).

 

„SKURRILES“ 

Der Titel „Skurriles“ dieser Gemeinschaftsausstellung wird so manchem Mitglied des Kunstvereins zunächst Kopfzerbrechen gemacht haben. Was soll man sich bloß darunter vorstellen? Ein Blick ins Lexikon bzw. heutzutage ins Internet gibt immerhin Aufschluss über die Herkunft des Wortes. Skurrilität stammt nämlich aus dem Lateinischen, wo es Possenreißerei bzw. Spaßmacherei bedeutet. Dabei denkt man natürlich sofort an den Hofnarren früherer Jahrhunderte. Die heutige Bedeutung ist jedoch eine andere: nicht von vornherein lustig oder komisch, sondern vielmehr bizarr, seltsam, absonderlich, außerhalb der Norm und meistens mit einem Überraschungseffekt verbunden. Das haben die 29 Vereinsmitglieder offenbar gut verstanden, die sich dem Thema künstlerisch angenähert haben. Und die Mitglieder der Jury – dazu gehörten Anne Paysen-Petersen, Heidi Scheibel, Claus Vahle und ich – waren mehr als überrascht über die phantasievollen Ergebnisse auf Leinwand, Papier, Pappe und Holz; sogar Fotos sind dabei.

Reichlich Grund zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen bescherten uns einige der eingereichten Arbeiten aber auch, weil sie keine Titel hatten und uns dazu animierten, spontan welche zu erfinden. So nannte Anne Paysen-Petersen das in blauen und roten Farbtönen gemalte, kleinformatige Bild von Jürgen Kuckenburg sofort „Krabbengekrabbel“, und ich bezeichnete ein Bild mit Rotweinflasche und Gesichtern zwischen Blätterwerk von Antje Jepsen „Geister des Weines“. – Hannelore Utermanns Acryl-Bild kräftiger Stämme mutierte bei uns zur „Baum-Umarmung“ und Barbara Leonhards auf Holz gemaltes und gezeichnetes Bilderpaar mit dem Titel „Verrückte Geschichten I und II“ wurde bei uns zu Wimmelbildern. – Renate Meier, die schon viele Jahre ein ganz besonderes Interesse an Bäumen hat, lässt auf ihrem Bild die Äste eines kräftigen Baumes, die sie mit Gesichtern ausgestattet hat, miteinander sprechen. – Zwei mit wunderbar rot-grünem Gefieder ausgestattete Hähne, gemalt von Antje Henning, die sich zwar ganz dicht gegenüber stehen, aber die Köpfe in die entgegengesetzte Richtung drehen, nannten wir „Kampfhähne“ und fanden es wirklich skurril, dass den beiden offenbar überhaupt nicht nach kämpfen zumute ist.

Über einen Fahrrad fahrenden Frosch und Windmühlen mit Beinen, gemalt von Karin Borth, haben wir ebenso geschmunzelt wie über den überdimensionierten, sorgfältig gestutzten und gedrechselten Bart auf der Farbstiftzeichnung von Ilse Demasius. Der Bartträger hätte bei der kürzlich veranstalteten Weltmeisterschaft der Bartträger in New York mit Sicherheit einen Preis gewonnen. – An Imponiergehabe von männlichen Wesen erinnert auch Heidi Scheibels Version eines Pfaus, zwischen dessen eindrucksvollen, zum Rad geschlagenen Schwanzfedern das stolze Gesicht eines Mannes prangt. – Die Assoziation an ein weibliches Wesen mit schmaler, jungenhafter Figur hat wohl jeder Betrachter beim Anblick des Ölbildes mit dem Titel „Stammbaum“ von Antje Jepsen, obwohl sie tatsächlich nur das Teilstück einer Kiefer gemalt hat. – Mit unerwarteten Größenverhältnissen hat Anke Kröger auf ihren Mainzelmännchen-Bildern gespielt. Die stemmen nämlich riesige Kürbisse bzw. vergnügen sich auf und mit Pilzen. –

KV-SL Gem.ausst. 2015_001 KV-SL Gem.ausst. 2015_002KV-SL Gem.ausst. 2015_003 KV-SL Gem.ausst. 2015_004Eine äußerst bizarre Situation hat Bruni Müller aufihremBild  „Katzentraum – Es ist angerichtet“ dargestellt: die auf dem Hut eines bärtigen alten Mannes sitzende Katze beugt sich zur Hutkrempe hinunter, in der sich zahlreiche weiße Mäuse tummeln. Wahrlich – ein Festschmaus für die Katze.

KV-SL Gem.ausst. 2015_005 KV-SL Gem.ausst. 2015_006 KV-SL Gem.ausst. 2015_007 KV-SL Gem.ausst. 2015_008Karin Hupe hat ihrem skurrilen Doppelbildnis zweier rauchender Fische – er raucht Zigarre, sie Zigarette – einen ebenso skurrilen Titel gegeben: „Tiefseeraucherflirt“. Die Rauchschwaden der beiden miteinander Flirtenden kräuseln sich im dunklen Meerwasser.

Auf etlichen anderen, eher kleinformatigen Bildern sind weitere bizarre Szenen zu sehen, die von der Phantasie unserer Vereinsmitglieder zeugen. Lassen Sie sich auf Ihrer Entdeckungsreise überraschen. KV-SL Gem.ausst. 2015_009 KV-SL Gem.ausst. 2015_010 KV-SL Gem.ausst. 2015_011 KV-SL Gem.ausst. 2015_012

Aber einige unserer Künstler haben sich auch zu großformatigen Werken inspirieren lassen. Beispielsweise Claus Vahle, auf dessen Bildern sich zahlreiche Fabelwesen ein Stelldichein geben. Oder Anne Paysen-Petersen, die eine Geschichte aus der griechischen Mythologie künstlerisch umgesetzt hat. Aus dem „Windsack des Aeolus“ – so der Titel des Bildes – entweicht ein starker und gefährlicher Sturm statt des erwarteten Goldes, nachdem die Gefährten des Odysseus den Sack trotz Verbots geöffnet hatten. – Ulrike Neuhaus führt uns gleich zwei Mal paradiesische Zustände vor Augen, also weitab jeder Realität. Sie hat ihre Werke „Paradies“ und „Flötenspieler“ genannt.

Wer voller „Neid“ – so der Titel – auf wen oder was schaut, ist ein wenig rätselhaft auf dem Bild von Jürgen Wind. Sollte vielleicht die aufblasbare Gummipuppe gemeint sein? Sie können Ihrer Interpretationskunst natürlich freien Lauf lassen – oder unseren Vereinsvorsitzenden befragen.

Ein wirklicher Überraschungseffekt ist Petra Friedrich mit ihren beiden Acrylbildern gelungen, denn beim ersten kurzen Blick vermitteln sie den Eindruck abstrakter Malerei. Aber schon beim zweiten Blick drängt sich die Assoziation „Kirchtürme“ geradezu auf. Und tatsächlich heißen die Bilder „Schleswiger Dom“ und „Mailänder Dom“. KV-SL Gem.ausst. 2015_013 KV-SL Gem.ausst. 2015_014

Alle in dieser Gemeinschaftsausstellung des Kunstvereins Schleswig und Umgebung präsentierten Arbeiten haben tatsächlich etwas Skurriles an sich. Sie zeigen Szenen, die außerhalb jeder Norm liegen. Damit beweisen unsere Vereinsmitglieder ihren außerordentlich kreativen Umgang mit der Realität.

6. November 2015

Text: Dr. Anke Carstens-Richter   –  Fotos: Karin Hupe

 

Schreibe einen Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

Sie können diese HTML-Tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>