Claus Vahle im neuen >HELIOS Klinikum Schleswig<

Liebe Kunstfreundinnen, liebe Kunstfreunde, 

am 14. Oktober dieses Jahres ist in dem beeindruckenden Neubau des >HELIOS Klinikum Schleswig< die erste Ausstellung des Schleswiger Kunstvereins eröffnet worden, eine Bilderausstellung unseres langjährigen Mitglieds Claus Vahle mit dem Titel: „Ein Künstler auf Reisen“. Über Claus Vahle muss in einem Schleswiger Medium nicht mehr viel gesagt werden: Der Künstler ist mit seinen Bildern seit langem eine bekannte, hochgeschätzte, aus unserem Kunstbetrieb gar nicht wegzudenkende Größe – und dass er weit über regionale Grenzen hinaus selbst im Ausland wahrgenommen wird und große Anerkennung erfährt, das hat seinen Grund auch darin, dass das Ehepaar Vahle sein langes, gemeinsames, schöpferisches Leben nie durch Grenzen hat einengen lassen. ‚Malerisches Zeugnis‘ dieses im Geist weltoffenen Kunstinteresses gelebten Lebens geben nun die im >HELIOS Klinikum Schleswig< ausgestellten Bilder Claus Vahles; und ‚beredtes Zeugnis‘ dieses Lebens legte Ehefrau Annegret selbst im Rahmen ihrer Einführung in die Ausstellung ab. Das ‚Familienunternehmen‘, das diesen Abend im Eingangsbereich des neuen Klinikums sozusagen zelebrierte, wurde komplettiert und verstärkt durch Sohn Patrick, einen jungen Mann mit jeweils zum Vortragsthema und/oder zu der bereisten Region passenden Liedern zur Gitarre; ein junger Mann übrigens, der sich nicht nur etwas traut, sondern der auch etwas kann. Dies soll hier nicht unerwähnt bleiben, da wir von seiner Kunst im Folgenden nichts vermitteln können..- 

Der Klinikchef, Dr. John Friedrich Näthke, hatte es sich nicht nehmen lassen, das Ehepaar Vahle, die Mitglieder des Kunstvereins unter Führung ihres 1. Vorsitzenden, Rolf-Jürgen Wind, und etliche Gäste zu diesem ‚historischen Ereignis‘ persönlich willkommen zu heißen, zur Ausstellung zu gratulieren und so ganz nebenbei anzumerken, dass er sich freuen würde, wenn dieses bewährte Miteinander von Kunstverein und HELIOS in Schleswig eine Fortsetzung finden würde. An dieser Stelle war deutlich zu hören, dass dem 1. Vorsitzenden des Kunstvereins ein ’nicht ganz kleiner‘ Stein vom Herzen fiel; in seinem Dank an den Klinikchef und in einigen anschließenden Erläuterungen waren Entlastung und neue Zuversicht deutlich zu spüren.-

Nun aber endlich zur Einführung in die Ausstellung; wir haben das Vergnügen, den ungekürzten Text hier wiedergeben zu dürfen – Annegret und Claus sei Dank. Dank auch an Reinhard Unruh, der einige schöne Bilder beisteuert; sollten der Redaktion weitere Fotos zugehen, können sie auch später noch jederzeit ergänzt werden. Die Ausstellung wird voraussichtlich bis Mitte Januar 2017 zu sehen sein (HJH).

 

„Ein Künstler auf Reisen“

Sehr geehrter Herr Dr. Näthke, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

001a 001bzunächst eine Vorbemerkung – leider haben Sie die Bilder, auf die ich in meiner Einführung eingehen werde, nicht vor Augen, aber vielleicht haben Sie sie schon betrachtet oder werden es danach tun und dann durch die Einführung jetzt vielleicht mit mehr Gewinn.

Schon immer zog es Claus Vahle in die Welt hinaus – als Kind waren es Ausflüge in die nähere Umgebung der Orte, in denen er aufgewachsen ist, Göttingen und Schleswig und als Jugendlicher unternahm er mit seinem Freund Harald Becker, der ebenfalls Künstler wurde, u. a. Reisen nach Italien, Belgien, nach Holland und Paris. Natürlich hatten beide ihre Skizzenblöcke dabei. Während Harald eher Menschen zeichnete, wählte Claus Landschaften und vor allem prägnante Gebäude, die den Schüler sehr beeindruckten, als Motiv. Reisen bedeutete und bedeutet für den Künstler Claus Vahle auch noch heute eine unerschöpfliche Inspirationsquelle, Reisen lässt ihn eintauchen in eine andere Welt, lässt ihn die Alltagssorgen vergessen, gibt ihm das Gefühl grenzenloser Freiheit … und das ist das Stichwort für das erste Lied „Über den Wolken“..-

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Claus Vahle hat viele Länder bereist. Natürlich hängen hier nicht von allen Reisezielen Bilder, dann müsste die Ausstellungsfläche mindestens dreimal so groß sein. Die Auswahl hier zeigt Orte, die dem Künstler wichtig waren, aber auch Bilder, die zeigen, dass er Eindrücke während oder nach einer Fahrt auf unterschiedlichste Weise verarbeitet. Dazu gleich ein Beispiel. Vielleicht haben Sie sich über das fast abstrakt anmutende Bild „Pariser Atelier“( im Warteraumbereich) gewundert. Es ist entstanden nach einer Woche Paris, in der wir bei dem international bekannten Maler Jan Voss in seinem riesigen Atelier wohnen durften. Nach dieser Reise entstanden nicht nur typische Pariser Ansichten, sondern auch Bilder, die den ganz besonderen Aufenthaltsort zum Inhalt hatten.

Wenden wir uns nun Italien zu. Hier waren wir viele Male: am Golf von Neapel, auf den großen Inseln, in vielen der herrlichen alten Städte, am Po-Delta, in der Toskana…Auf seinen Bildern vermeidet CV den typischen Touristenblick. Die berühmten Faraglioni-Felsen vor Capri erscheinen fast unwirklich durch den verhaltenen Farbklang von milchigem Blau und Grün, die dekorative Umrahmung durch die monumentale Pinien-Silhouette im Vordergrund sowie den Verzicht auf eine räumliche Darstellungsweise.

Leicht und atmosphärisch wirkt das Aquarell „Tivoli“, das einen Ausschnitt des Parks der„Villa d´Este“ zeigt. Für den Künstler ist es einer der schönsten Orte dieser Welt. Mit unzähligen Grüntönen, denen das Rosa der blühenden Bäume gegenübersteht, sowie den weit ins Bild ragenden weiß ausgesparten Wasserfontänen hat CV diese mediterrane Landschaft eingefangen. Hinweisen möchte ich noch auf zwei Aquarelle von Sizilien, lange ein Traumziel des Künstlers, wo wir endlich 2012 vierzehn anregende Tage verbrachten. Stundenlang zeichnete er in der ihn sehr beglückenden Stadt Cefalu oder in der alten Ruinenstadt Agrigento, von der hier ein Aquarell hängt, das ein Wechselspiel zwischen Agavenblättern und Tempelsäulen vor einem azurblauen Himmel zeigt.

Nach unserem Aufenthalt auf Sardinien ist das Ölbild „Das große Tor“ entstanden. Es gehört zu den Arbeiten, die keine Landschaft oder eine bestimmte Architektur zeigen, sondern einen für den Betrachter oft rätselhaft wirkenden Ausschnitt. Dieser gehört zu einer skurril anmutenden Montage aus Abfallmaterial und eingefügtem Mauerwerk im Vorgarten eines sardinischen Dorfes. So etwas zu entdecken, gehört für CV zu den besonders glücklichen Momenten, lässt sein Herz klopfen. Hier, wie auf vielen anderen Bildern auch, richtet er den Blick auf das Nahe, das Kleine, das Intime.

Auf das nächste Land, Frankreich, wird uns Patrick musikalisch einstimmen.

Seit fünfzehn Jahren haben wir regelmäßig Südfrankreich besucht, zuletzt 2013. Im Juni erhielt CV ein Atelierstipendium in St. Mathieu de Treviers, in der Nähe von Montpellier. Vier Wochen lang durfte er im gleißenden Licht der Sonne malen und zeichnen – ein Traum. Danach verbrachten wir noch vierzehn Tage in Collioure, einer bezaubernden Stadt nahe der spanischen Grenze. Hier begründeten Matisse und Derain den Fauvismus, hier hatten Picasso, Friesz und Beckmann – um nur einige zu nennen – gewirkt, hier konnte CV auf den Spuren der von ihm so verehrten großen Meister wandeln, was ihn beflügelt und glücklich stimmt. Im ersten Flur sind mehrere Ölbilder ausgestellt, die von dieser erfüllten Zeit erzählen.

Ebenfalls am Mittelmeer, an der Cote d´Azur gelegen, gibt es einen Ort den der Künstler außerordentlich liebt und zu dem es ihn immer wieder hinzieht. In La Ciotat umrahmen die Figuerolles, eindrucksvoll geformte Felsen, eine kleine Badebucht. Die prägnante Form dieser Klippe diente vielen bekannten Künstlern, unter ihnen auch George Braque, als Motiv. Auch CV hat sie für sich entdeckt und aus vielen Blickwinkeln dargestellt. Auf dem hier ausgestellten Ölbild hat er die Pyramidenform des zerklüfteten Felsens, die Schattenbildung und die karge Vegetation besonders herausgearbeitet. Es ist eines der wenigen Mittelmeerbilder, auf dem Wolken zu sehen sind. Hier steht ihre Leichtigkeit im Gegensatz zum massiven Felsmassiv.

Jetzt folgt ein kleiner Abstecher nach Griechenland, das wir schon etliche Male bereisten und das CV als die Wiege abendländischer Kunst und Kultur besonders fesselte. Auf dem Ölbild „Ägina“ wählte er ein für ihn typisches Stilmittel, die starke Vergrößerung des Motivs im Vordergrund, hier einer Agave. Ihn faszinieren die schwertförmigen fleischigen Blätter und die hohen Blütenstände dieser Pflanze. Auf dem Bild streckt sie ihre Blätter, Krakenarmen ähnlich, in alle Richtungen aus, wirkt lebendig und bildet einen Kontrast zur ruhigen, etwas milchig gemalten Landschaft im Hintergrund, der die Waagerechte betont.

Kommen wir nun zu dem Land, das CV am häufigsten besucht hat – 14 mal war er in Irland und auch hier lassen wir uns zunächst musikalisch einstimmen.

Die grüne Insel mit ihren wilden, zerklüfteten Küsten, den Ruinen, Hochkreuzen und Rundtürmen, ihren einsamen Landschaften und bunt herausgeputzten Dörfern regte CV zu unzähligen Bildern an. Zwei davon möchte ich herausgreifen. Da ist einmal der „Einsame Ort“. Schon einige Male hat CV diese alte Pilgerstätte besucht. Skellig Michael liegt 15 km vor der irischen Westküste und selbst bei gutem Wetter brodeln die Wellen um das Eiland, lassen starke Strömungen die Überfahrt zu einem Abenteuer werden. Eine wahre Himmelsleiter, eine über tausend Jahre alte Felsentreppe mit über 600 Stufen führt zu einer gut erhaltenen Klosteranlage aus dem 7. Jahrhundert. Die Mönche errichteten in traditioneller Trockenbauweise bienenkorbartige Steinbehausungen, die clochans, und zwei Kapellen. Sie stellten roh behauene Steinkreuze und Grabplatten auf, lebten asketisch und weltabgeschieden auf diesem Eiland. Grautöne in allen Variationen, ein milchiges Blau und Blaugrün geben etwas von der Stimmung wieder, wie sie der Künstler auf den Skelligs empfunden hat.

Ganz anders erleben wir Irland auf dem Bild „Zaun in Donegal“. Dieser könnte überall im Westen Irlands zu finden sein und zeig die fantasievolle Wiederverwendung nicht mehr benötigter Dinge. Dahinter breitet sich eine in vielen Grüntönen wiedergegebene Landschaft aus mit Stallresten, Felsen und Heuhocken mit einem kleinen Häubchen als Schutz vor einem plötzlichen Regenguss. Dieses Bild ist ein typischer Vahle: Geschildert werden Dinge aus der Alltagswelt, das Hauptmotiv wird durch Vergrößerung exponiert dargestellt, die durch Weiß-Beimischung gedämpften Farben bewahren die Geschlossenheit der Bildfläche, das Motiv wird weitgehend flächig dargestellt.

Mit seinen Bildern nimmt uns CV mit auf eine wunderbare Reise durch viele Regionen Europas und darüber hinaus. Entdecken Sie besondere Plätze in Griechenland, Dänemark, Spanien, Polen, England, Island oder aber Ägypten und Syrien. Zum letzten Land noch ein Hinweis. Auf verschiedenen Kreuzfahrten besuchten wir u. a. den Libanon, Israel und auch Syrien. Dort erlebten wir eine sehr herzliche Gastfreundschaft und durften unvergessliche Stunden in Palmyra verbringen. Claus fertigte von den Tempelanlagen und der Umgebung diverse Aquarelle an. Dann kam die Nachricht, dass Palmyra zerstört sei. Wir waren entsetzt und Claus malte das große Ölbild „Palmyra“ um seiner Betroffenheit Ausdruck zu verleihen, um an diesen Ort zu erinnern. Darauf zu sehen ist eine Raststätte gelegen vor den herrlichen antiken Stätten, eine Oase, die Ruhe, Frieden, Schönheit ausstrahlt – sie ist inzwischen vom Krieg vernichtet – aber es bleibt die Hoffnung, dass Palmyra aus den Ruinen neu erstehen wird.

In dieser Ausstellung werden Bilder aus vielen Ländern in unterschiedlichen Techniken und mit vielfältiger Motivwahl gezeigt. Ihnen gemeinsam ist, dass sie mit wachen Künstleraugen Gesehenes festhalten, aber letztlich eine Verwandlung der Gegebenheiten durch die Realisierung einer künstlerischen Formensprache erfahren.

Liebe Kunstfreunde, ich hoffe, dass ich Ihnen die Bilderwelt meines Mannes ein wenig näher bringen konnte. Danken möchte ich allen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben, dem Helios Klinikum hier vertreten durch Dr. Näthke und Frau Asmussen, allen Kunstvereinsfreunden, die bei der Hängung geholfen haben und Patrick für seine Musik. Ich wünsche Ihnen Anregung und Freude beim Betrachten der Bilder und der Ausstellung viel Erfolg!

Text: Annegret Vahle  –  Fotos: R. Unruh; A. u. C. Vahle

 

 

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