Die Jubiläumsfeier – einfach schön!

Es ist kaum zu glauben, aber das 30jährige Jubiläum des Kunstvereins liegt schon wieder fast zwei Monate hinter uns. Unser Vorstandsmitglied Horst-Peter Junge hat einen lebendigen Bericht über die Festveranstaltung geschrieben, der die besondere Atmosphäre sowie etliche Höhepunkte gut veranschaulicht. Einige Fotos illustrieren zusätzlich diese besonderen Stunden. Dem aufmerksamen Leser gelingt es sicher, sie dem Text auch ohne Unterschrift zuzuordnen.

 

                    

 

Festveranstaltung – 30 Jahre Kunstverein Schleswig und Umgebung

am 12. November 2016 um 17.00 Uhr im Haus der Volkshochschule (VHS) der Stadt Schleswig, Königstraße 30

Ein Bericht von Horst-Peter Junge

Die Festveranstaltung war ein herausragendes Ereignis im Vereinsleben, sorgfältig geplant und minutiös durchgeführt. Als Teilnehmer habe ich mir Notizen gemacht. Damit konnte ich mich an Einzelheiten erinnern, die den Abend wieder lebendig erscheinen lassen. Deshalb sollte mein Bericht kein trockenes Protokoll des Ablaufs werden, sondern vermitteln, wie die Akteure auftraten  und auch die entspannte Stimmung des Events wiedergeben.

Eher selten dürfte die Volkshochschule am frühen Abend von so vielen Gästen besucht worden sein. Im Erdgeschoss begrüßen sich die eintreffenden Vereinsmitglieder und überhäufen den einzigen Kleiderständer mit ihrer Garderobe. Noch schnell zum letzten Mal in die Gemeinschaftsausstellung hineinschauen – nachher ist Finissage – und die Gelegenheit zum Smalltalk nutzen. Alle haben gute Laune und machen erwartungsvolle Mienen; schließlich feiert der Verein heute.

Dann geht es die Treppe hinauf zum Obergeschoss in den großen Saal, wo sich die Stuhlreihen schnell füllen; hier soll um 17 Uhr die Festveranstaltung beginnen. Vorn sitzen die Ehrengäste und der Vorstand; nur Dr. Ain-Peedu Palisaar ist nicht dabei – er hütet das Büfett im Ausstellungsraum. Dann wird es doch einige Minuten später; man wartet, bis auch die Gäste vom Kunstverein Husum angekommen sind.

Begrüßung

In ihrer kurzen Begrüßung erinnert Nicole Schmölz, die Leiterin der VHS, daran, dass der Verein hier in der VHS vor 30 Jahren „gedanklich gegründet“ wurde. In der seit dem 28.10.2016 im Erdgeschoss präsentierten Gemeinschaftsausstellung hat sie beobachtet, wie unterschiedlich die Besucher auf die Werke der Kunstschaffenden reagieren: „begeistert – kopfschüttelnd – interessiert – ablehnend“. Sie wünscht dem Verein noch viel Erfolg in der kreativen Umsetzung künstlerischer Ideen und bei der Vermittlung von Kunst, was sicher nicht immer leicht werden wird.

Grußworte

Nach dem Dank an die VHS als Gastgeber leitet Rolf-Jürgen Wind, der 1. Vorsitzende des Kunst-vereins, zur musikalischen Umrahmung durch Hans-Werner Hoff am elektronischen Klavier über. Dieser spielt sechs Stücke aus Robert Schumanns Kinderszenen, darunter so bekannte wie „Von fremden Ländern und Menschen“,  „Träumerei“ und  „Der Dichter spricht“ – ein Vergnügen nicht nur seine gewohnte Spielqualität, sondern auch jeweils sein erläuternder Kommentar, beispielsweise: das „Kind im Einschlafen“ spielt er heute lieber nicht und hat damit das schmunzelnde Auditorium auf seiner Seite.

In seiner folgenden Rede erinnert Rolf-Jürgen Wind an die Motive der zwölf professionellen Künstler, die den Kunstverein am 12. November 1986 gründeten, um „sich, den Lobbylosen, Chancen für mehr Wahrnehmung und Anerkennung in der Stadt Schleswig und ihrer Umgebung zu verschaffen“. Gut fünf Monate später wurde dann die erste Ausstellung mit Arbeiten von Kunstvereinsmitgliedern in der damaligen Kreissparkasse am Capitolplatz eröffnet. Heute hat der Verein rund 150 Mitglieder und setzt sich zusammen aus Kunstschaffenden, Interessierten und Förderern. Zu den Aktivitäten anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums gehört auch die 2. Kunstmeile (28. Oktober bis 18. November 2016) unter dem Motto „Kunst verbindet“. Sie präsentiert vom Gallberg bis in die Friedrichstraße über 100 Kunstwerke in den Schaufenstern von 50 teilnehmenden Schleswiger Geschäften. In diesem Zusammenhang dankt Wind Annegret Vahle stellvertretend für das Festkomittee für das Konzept und die Planung der Aktivitäten anlässlich des Vereinsjubiläums. Gruß- und Dankworte richtet Wind auch an prominente Gäste; unter anderem an Doris Rüstig-Ladewig eingedenk der früheren gemeinsamen Arbeit und dankt Bürgermeister Dr. Arthur Christiansen für seine Unterstützung. Mit Blick auf die laufenden 22. Kulturwochen richtet er an die Stadt Schleswig seinen Wunsch nach einer stärkeren Förderung Schleswiger Kulturschaffenden.

Ausdrücklich dankt Wind dem leider verhinderten Geschäftsführer des HELIOS-Klinikums, Dr. John Friedrich Näthke, für die Unterstützung der Festveranstaltung und die generelle Zusammenarbeit mit dem Verein, und begrüßt die neue Pressesprecherin des Klinikums, Frau Andrea Schumann, als Nachfolgerin von Inke Asmussen. Wind betont das gute Verhältnis zum HELIOS-Klinikum, das dem Kunstverein – wie auch schon die Betreiber des alten Krankenhauses – nicht nur den Rahmen und die Gelegenheit für die wechselnden Ausstellungen bereitstellt, sondern mit der kostenfreien Überlassung der Räume im  Kreativhus den Mitgliedern des Kunstvereins eine Stätte zum kreativen Gestalten und einen Ort der Begegnung bietet.

Nächster Redner im unter Denkmalschutz stehenden Saal ist Bürgermeister Dr. Arthur Christiansen – Zitat:„Ich kann mir kaum einen schöneren Raum für diese Veranstaltung vorstellen“. Angesichts der Haushaltsprobleme hält er eine stärkere Förderung der Kultur aktuell für nur schwer realisierbar. Der Kunstverein nehme aber seit langem einen wichtigen Platz in der kulturellen Szene Schleswigs ein und schaffe Möglichkeiten des kulturellen Austausches unter den Bürgern sowie durch Aktionen wie der Kunstmeile Verbindungen zur Wirtschaft. Christiansen ist sich sicher – mit dem Verweis auf die Finanzmittel in zweistelliger Millionenhöhe für Gottorf, den Domturm und die Innenstadtsanierung, dass Schleswig nicht nur eine Wikingerstadt geworden ist, sondern Kulturstadt bleibt.

Arthur Christiansen überreicht Rolf-Jürgen Wind ein persönliches Geschenk quasi als Erwiderung für das seinerzeit ihm von Wind überlassene Bild des alten Schleswiger Theaters, und zwar ein Bild von Alexej von Jawlensky. Wind packt es aus, und dann sein Kommentar: „Ach, das ist ja ein Druck; ich dachte, es sei das Original; da muss ich mir überlegen, ob ich Dir noch mal ein Bild von mir schenke!“; sprach‘ s und die Festgesellschaft quittierte es mit Heiterkeit.

Inke Asmussen, die scheidende Pressesprecherin, hat jahrelang die Ausstellungen des Kunstvereins im Klinikum sowie seine Aktivitäten und Feste im und am Kreativhus unterstützt und begleitet. Sie beschreibt in ihrer kurzen Rede ihre Sicht auf die Bedeutung des Vereins für das HELIOS Klinikum und die Kultur in Schleswig.

Als nächstes kündigt Rolf-Jürgen Wind die Festrede von Dr. Uwe Beitz, dem ehemaligen Leiter des Stadtmuseums  Eckernförde, an.

In seinem Festvortrag „Aus Liebe für das Schöne – Kunstvereine im Wandel“ geht Dr. Beitz der Entstehung und Entwicklung der Kunstvereine nach. Ausübung und Vermittlung von Kunst im allgemeinen wird zur Zeit von etwa 300 Vereinen in Deutschland betrieben. Vor 200 Jahren entstanden aus bürgerlichen Initiativen Kunstsozietäten, interessanterweise parallel zur französischen Revolution mit ihrem neuen gesellschaftlichen Verständnis. 1792 erfolgte in der Freien und Reichsstadt Nürnberg die erste Gründung, aus der sich die heutige Albrecht-Dürer-Gesellschaft entwickelte. 1843 entstand der Kunstverein in Kiel, 1986 der Kunstverein Schleswig und Umgebung zur Förderung und Vermittlung von Kunst.

Kunst war im 18./19. Jahrhundert vor allem eine kostspielige Sache der Adligen. Später richtete sich das bürgerliche Interesse an der Kunst in den Vereinen zunächst auf die Teilhabe an bzw. den günstigen Erwerb von Kunstwerken. Mit den von den Vereinen veranstalteten Ausstellungen zur Vermittlung von Kunst änderte sich auch die Thematik der Bilder (Landschaften, Porträts, Architektur, Stadtansichten, Stillleben). Im Ergebnis sind die Anstrengungen der Kunstvereine zur Förderung des Kunstsinns quantitativ bescheiden geblieben: Anno 2000 gab es in Deutschland 100.000 Mitglieder, also nur etwas mehr als 0,1 Prozent der 80 Millionen Deutschen. Aber es gibt auch herausragende Erfolge; so wird die Bremer Kunsthalle noch immer in privater Trägerschaft betrieben. Heute ist Kunst international und interkulturell, und wir gewöhnen uns daran, offen für fremde Kulturen und ihre Kunstwerke zu sein.-

Der Vortrag findet viel Beifall, und Wind dankt Dr. Beitz mit einem persönlichen Geschenk.

Danach kommt es zum Höhepunkt der Festveranstaltung: Der Vorsitzende stellt die 64-seitige Festschrift mit dem Titel „Kunst verbindet 1986-2016, 30 Jahre Kunstverein Schleswig und Umgebung“ vor. Unter dem Beifall der Versammelten würdigt Wind das Verdienst einiger Personen um die Festschrift; wie üblich erhalten sie Präsente oder Blumengebinde: Eckart Lange für das Layout, Karin Hupe für die Chronik (jahrelang handschriftlich geführt bis zur Digitalisierung), Joachim Tschesch für die Diashow zur Vereinsgeschichte sowie Annegret Vahle und Dr. Anke Carstens-Richter als Autorinnen der Festschrift.

Anschließend hat Dr. Anke Carstens-Richter noch ein besonderes Anliegen; sie habe seit anno 2000 von Prof. Reinhard Guldager (1929-2007) afrikanische Masken und zwei Grafikzyklen (zu: Borchert, Draußen vor der Tür bzw. über Komponisten) für den Kunstverein in Verwahrung; diese Sammlung übergibt sie jetzt an den Verein.

Dann bittet Annegret Vahle den „Meister der launigen Rede“ alias Dr. Hans-Joachim Hupe, stellvertretender Vorsitzender, um sein Wort, um mit Ortrud und Jürgen Wind zwei Personen zu ehren, die sonst eher „im Schatten stehen“. Die Laudatio gelingt Dr. Hupe in gewohntem Witz, und die beiden Winds freuen sich unter herzlichem Beifall der Festversammlung über einen großen Chrysanthemenstrauß.

Hans-Werner Hoff setzt das musikalische Finale mit einem Hit, und spielt „We are the Champions“. Damit endet das Programm der Festversammlung.

Im Anschluss lädt der Vorsitzende zu einem kleinen Imbiss unten im Ausstellungsraum und zur Finissage der Gemeinschaftsausstellung „Kunst verbindet…“ ein. Neben den Exponaten sind Bilder aus dem Vereinsleben – eine Diashow vom Vorstandsmitglied Joachim Tschesch – als historischer Rückblick zu sehen.

Jedes Vereinsmitglied erhält als besondere Geste ein Exemplar der Festschrift als Geschenk und darf sich damit auf die Lektüre der dreißigjährigen Vereinsgeschichte freuen.

Im Ausstellungsraum herrscht bald ein munteres Miteinander; man hat jetzt Gelegenheit, sich über das erlebte Geschehen auszutauschen und – freundlich betreut von Dr. Palisaar und Helfern – den kleinen Hunger und Durst mit Snacks und Getränken zu stillen. Es ist eine gut aufgelegte Gesellschaft, die da zusammengekommen und stolz darüber ist, was Stadt und Umland an diesem Kunstverein haben: eine Organisation, die (laut Rolf-Jürgen Wind) „die schönen Künste und das Kunstverständnis auf breiter Basis fördern“ kann.

Und das soll auch in Zukunft so bleiben!

Text: Horst – Peter Junge        Fotos: Claus Vahle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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