Nolde in der Südsee

Unser Schriftführer Horst-Peter Junge vertrat den Vorstand bei einer Führung von Dr. Anke Carstens-Richter durch die zur Zeit gezeigte Nolde- Ausstellung. Aus seiner Beschreibung wird ersichtlich, dass dieser Nachmittag für alle Teilnehmer zu einem Kunstgenuss wurde.

Besuch der Ausstellung „Nolde in der Südsee“ (8.5. – 3.9.2017)

Am Freitag, dem 14. Juli, bot der Kunstverein die Gelegenheit zu einem geführten Besuch der Ausstellung „Nolde in der Südsee“ auf Schloss Gottorf, wo in der Reithalle und der Sammlung Horn mehr als 150 Werke – Gemälde, Aquarelle und Pastelle – zu sehen waren; sie entstanden auf der Reise in die Südsee, die Emil Nolde 1913/1914 mit seiner Frau Ada unternahm.

Trotz des hochsommerlichen Wetters nahmen immerhin zwanzig Mitglieder teil und erlebten unter der Führung von Dr. Anke Carstens-Richter, unserem Ehrenmitglied, nicht nur beeindruckende Bilder, sondern auch einen faszinierenden Blick auf die Stationen der Südseereise und den nachhaltigen Einfluss auf Noldes künstlerische Entwicklung.

Nolde verdankte die Reise über Sibirien, Korea, Japan, China, Hongkong und die Philippinen nach Neuguinea seiner Teilnahme als ethnografischer Zeichner und Maler an einer „medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ des Deutschen Reiches; sie sollte den Einfluss von Epidemien und Seuchen auf einen spürbaren Rückgang der einheimischen Bevölkerung untersuchen.

Nolde suchte in der Südsee das ursprüngliche Leben der Menschen im Einklang mit der Natur – eine Sehnsucht, die ihn mit anderen Künstlern wie Gauguin und Pechstein verband. In seinen Porträts der sogenannten „Südsee-Insulaner“ (eigentlich Papuas), seinen Szenen vom Alltag der Menschen und den Bildern von Natur und Landschaft in glühenden Farben hat Nolde bleibende Zeugnisse dieser vermeintlich unberührten Welt hinterlassen. Wir erfahren von Anke Carstens-Richter, dass Noldes Tätigkeit als Zeichner und Maler nicht ungefährlich war, weil die Papuas glaubten, wer ihr Bild besäße, habe Macht über sie wie ihre Naturgötter. Die Bedrohung der Eingeborenen und ihrer Kultur durch den Kolonialismus hat Nolde verbittert in seinen Tagebüchern kritisiert und machte die Europäer für den Untergang der indigenen Völker verantwortlich.

Anke Carstens-Richter verblüffte uns bei ihrer Führung immer wieder mit Einzelheiten von Emil Noldes Biographie, zum Verlauf der Reise und zur Geschichte der Bilder. Das Erzählerische ist ihr Metier –  es macht ihr Vergnügen, die Dinge nachzuzeichnen, beispielsweise den Weg der Ölbilder: beschlagnahmt in Ägypten auf Noldes Rückreise, verschollen, nach Jahren wieder aufgefunden und ihm Anfang der 1920er Jahre zurückgegeben.

Ihre Zuhörer dankten Anke am Ende mit herzlichem Applaus und einem großen Strauß sommerlicher Blumen, den der Schriftführer mit vielen Komplimenten für ihre Führung überreichte.

Fotos: Wolfgang Klockow und Horst-Peter Junge

 

 

 

 

 

 

 

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