„Mutter und Kind“ – eine erfolgreiche Gemeinschaftsausstellung des KV

Bereits am 18. August wurde die diesjährige Gemeinschaftsausstellung eröffnet und schon längst hätte ein Bericht darüber auf der Website stehen müssen. Die Pflege der Homepage ist allerdings schwierig, wenn die Administratorin in Italien (Rom), Dänemark (Aarhus) und in Deutschland (Kassel /Dokumenta) Urlaubs- und Kunstreisen genießt. So danke ich besonders herzlich unserem Schriftführer Horst-Peter Junge, der diese wichtige Veranstaltung des KV anschaulich beschrieben hat.

 Die diesjährige Gemeinschaftsausstellung befasst sich mit dem Thema „Mutter und Kind“ – ein Thema, das in den von der Jury ausgewählten 51 Arbeiten von 37 Kunstschaffenden auf kreative und vielfältige Weise interpretiert wird. Erstmalig hat das HELIOS Klinikum zusätzliche Ausstellungsmöglichkeiten durch Stellwände im Empfangsbereich geschaffen – dort wird das Interesse der Besucher schon durch das Einladungsplakat und großformatige Bilder geweckt.

Die Eröffnung am Freitag, dem 18. August um 19.00 Uhr, fand vor einem ungewöhnlich zahlreichen Publikum statt –  die vorhandenen Sitzgelegenheiten waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Im Namen der Klinik begrüßte Inke Asmussen, die Dr. Friedrich John Näthke vertrat, die Besucher, darunter auch Dr. Arthur Christiansen, den Bürgermeister. Sie bewertete das aktuelle Ausstellungsthema mit seinen vielen möglichen Bezügen als eine gute Wahl. Mit spontanem Applaus wurde Inkes Ankündigung bedacht, dass auf Einladung des Klinikums wieder Getränke und kleine Snacks auf die Besucher warteten.

Jürgen Wind, der in seinem launigen Grußwort dafür herzlich dankte und sich über den vollen Saal erfreut zeigte, wies darauf hin, dass sich der Kunstverein mit vielen Neuzugängen auf jetzt 154 Mitglieder in einem erfreulichen Aufwärtstrend befinde. Auch an dieser 33. Gemeinschaftsausstellung im 31. Jahr nach der Vereinsgründung haben sich wieder viele Kunstschaffende beteiligt. Jürgen berichtete auch über den Stand bei den bevorstehenden Exkursionen, insbesondere nach Worpswede und Fischerhude, und bei den geplanten Kunstseminaren im Kreativ-Hus. Dann erhielt Dr. Anke Carstens-Richter das Wort zu ihrer spannenden Einführungsrede, in der sie sich mit den vielen phantasievollen, auch modernen Deutungen des Themas „Mutter und Kind“ durch die Künstler befasste. Dabei kommentierte sie in gewohnter Souveränität die Bezüge exemplarisch ausgewählter Arbeiten. Am Ende bedankte sich Jürgen Wind bei Anke und Inke herzlich für ihre Beiträge und überreichte ihnen Blumengebinde. 

Sehr herzlich danke ich auch Dr. Anke Carstens-Richter, die erlaubte, ihre  nun folgende Einführungsrede, die viel Zustimmung fand, zu veröffentlichen. 

Bei Bekanntgabe des Themas „Mutter und Kind“ der diesjährigen Gemeinschafts-Ausstellung des Schleswiger Kunstvereins hatte ich zunächst einige Befürchtungen, ob dabei überhaupt neue Bildideen entstehen könnten, oder sich die meisten Vereinsmitglieder an Vorbilder aus vergangenen Jahrhunderten orientieren würden. Das Thema gehört ja seit den Marien-Darstellungen des Mittelalters zu unserem verinnerlichten Kulturgut. In der Antike dagegen ist es meines Wissens weder auf griechischen Vasenbildern aufgetaucht noch auf griechischen öder römischen Fußbodenmosaiken.

Als ich die Fülle der Arbeiten für diese Ausstellung dann gesehen habe, war ich positiv überrascht, mit wie viel Phantasie die beteiligten Vereins-Mitglieder das Thema künstlerisch umgesetzt haben, und zwar mit sehr unterschiedlichen Materialien und Techniken.

  Außer ÖL-und Acrylbildern gibt es etliche Aquarelle, Kreide- und Bleistiftzeichnungen, Mischtechniken und auch einige Fotos zu sehen, dazu mehrere Collagen sowie grafische Arbeiten, etwa eine Kaltnadelradierung sowie einen Holzschnitt, beides von Karin Palisaar. Sie hat, ebenso wie einige andere Kunstschaffende, das Thema sehr direkt umgesetzt, also eine Mutter mit Kindern dargestellt, in ihrem Fall sind es jeweils zwei.

Auf anderen Arbeiten ist es aber auch häufig tatsächlich eine Mutter mit einem Kind, wenn auch in sehr unterschiedlichen Situationen. Manchmal sind es Mütter mit Babys, manchmal Mütter mit heranwachsenden Kindern, oder aber eine erwachsene Tochter mit ihrer ergrauten Mutter, der sie liebevoll über die Schulter schaut, zu sehen bei Antje Jepsen.

       

 Bilder von Antje Jepsen, Uta Willms, Rolf-Jürgen Wind, 

 Hannelore Utermann, Eva Nagel. Bruni Müller , Elisabeth Peters

Natürlich taucht „Maria mit dem Jesuskind“ auch auf, etwa bei Renate Meier,  die für ihre Arbeit ein Kirchenfensterals Vorbild genommen hat, oder auf dem Foto von Joachim Tschesch, das „Maria mit dem Kind“ im Zentrum einer Astronomischen Uhr zeigt.

Und dann sind da noch eine ganze Reihe von familiären Gruppendarstellungen, etwa bei einer Taufe bei Uta Willms, gleich vier Generationen nebeneinander auf einer Bank sitzend bei Anna-Maria Hoppmann, beim Strand-Vergnügen bei Karin Hupe und Bruni Müller oder als gemalte Collagen mit Doppelporträts mehrerer Generationen von Müttern mit ihren Kindern bei Claus Vahle.

Nicht von unserem christlichen Gedankengut, sondern von der germanischen Mythologie hat Anne Paysen-Petersen sich für ihr Acrylbild „Familien-Idylle“  inspirieren lassen. Es zeigt den Gott Loki, Blutsbruder von Odin, in entspannter Haltung zwischen seiner Frau, einer Riesin, und den gemeinsamen Kindern: einer Schlange, einem Wolf mit gefletschten Zähnen und der Tochter als Totengöttin, dargestellt als Kind, aber mit entsprechendem Gesichtsausdruck.  Von Idylle kann eigentlich kaum die Rede sein.

Ein ganz aktuelles Phänomen in Mütter-Kind- Beziehungen thematisiert Heidi Scheibel auf ihrem Bild “Die neuen Nabelschnüre“. Zu sehen sind mehrere Jugendliche, die alle durch ihre heutzutage ganz selbstverständlich zum Besitz gehörenden Smart- oder I-Phones mit ihren Müttern verbunden sind, also auch kontrolliert werden können.

Einen kritischen Blick hat Horst-Peter Junge auf die extrem unterschiedlichen Ernährungsmöglichkeiten in der sog. 3. Welt, verglichen mit denen in der westlichen Welt, mit seinen Acrylbildern „Afrika heute“ und „Mamas Liebling“ geworfen. „Mutter und Kind mit Lenkdrachen am Meer“ von Antje Henning ist eine der originellsten Arbeiten dieser Ausstellung. Die Collage hinter Glas aus Fundstücken vom Strand zeigt im Wesentlichen flache, längliche Steine vor blauem Hintergrund – Himmel und Meer –  verbunden durch gezeichnete Linien, die die Szenerie sofort verständlich machen.Eine ebenso ungewöhnliche Umsetzung des Themas präsentiert uns Hans-Werner Hoff mit seinem Bild „Meine Mutter ist die Härteste“. Zu sehen ist ein kleiner Junge mit selbstsicherem Gesichtsausdruck, der auf einer Schraubenmutter sitzt. Ganz ohne Darstellung von Menschen kommt Betty Kerstens aus: Sie hat die Schlei als Tochter der Ostsee aquarelliert. Und auf dem Acrylbild von Hans-Walter Sander mit dem Titel „Baum-Familie“ sind ebenfalls keine menschlichen Wesen zu sehen.

Auch nicht bei Jürgen Kuckenburg, der sich für sein Bild „Mamuschka“ von den russischen Lackpuppen anregen ließ, die ineinander gesteckt immer kleiner werden.  Jeanette Günther hatte erst nach dem Besuch der Ausstellung mit Werken von Niki de Saint Phalle im Gerisch-Park in Neumüster die zündende Idee: sie zeichnete mit Ölkreide zwei Bilder, die sie „Nanaismus“ nennt, vielleicht Mutter und Tochter? Regina Unruh erinnert mit ihrem Bild an das Klon-Schaf Dolly, und Karin Borth lässt uns mit ihrer Arbeit „Der Spaziergang“ darüber nachdenken, warum der Vater und das Kind mit Gasmasken ausgerüstet sind.

Einem ganz anderen Themenkreis haben sich all die Vereinsmitglieder gewidmet, die auf ihren Bildern Zärtlichkeit und Zuwendung bei Tieren zeigen. Da tauchen Löwenmütter mit ihren Nachkommen bei Antje Jepsen und Christa Müller auf, Zebras bei Anke Kröger und Galapagos-Echsen auf einer akkuraten Bleistiftzeichnung von Ilse Demasius und Königspinguine gamalt von Elke ThielemannReinhard Unruh präsentiert uns stimmungsvolle Farbfotos von einer Rotkehlchen-Mutter sowie von einer Schwanen-Familie.  Ein Foto nicht von Vögeln, aber aus der Vogel-Perspektive, hat Fred Zimmak beigesteuert: es heißt „Stockholm“. Das zweite Foto hat den Titel „Tanzmuseum“ und zeigt zwei auf einem Trampolin hüpfende Mädchen, – oder ist es eine Mutter mit ihrer Tochter? – die von Bildern umrahmt sind.

Insgesamt begegnen uns auf dieser Ausstellung eine Fülle von phantasievollen Umsetzungen des Themas „Mutter und Kind“, aber auch klassische Motive, neu und in moderner Formensprache interpretiert.

Fotos: Horst-Peter Junge, Joachim Tschesch, Annegret Vahle

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