Elisabeth Ostendorf „Horizonte“

„Für den Kunstverein ist es eine besondere Freude, dass wir die Arbeiten einer unserer Kunstseniorinnen hier zeigen dürfen, dass wir eine so schöne Ausstellung im HELIOS Klinikum ausrichten können. Sicher werden sich die Besucher an den stimmungsvollen Aquarellen von Elisabeth Ostendorf erfreuen und vielleicht sogar für kurze Zeit krankheitsbedingten Kummer vergessen.“ Mit diesen Worten stimmte Annegret Vahle die kunstinteressierten Gäste der Vernissage ein. Zuvor hatte bereits Pressesprecherin Andrea Schumann in Vertretung von Dr. Näthke die Anwesenden herzlich begrüßt. Schon im Vorfeld hatte sie sich bei den Vorbereitungen engagiert und freute sich nun über die gelungene Ausstellung.

In seiner Laudatio führte Rolf-Jürgen Wind kenntnisreich und ausführlich in das Werk der Künstlerin ein. Auch über den Lebensweg von Elisabeth Ostendorf, die zwei Tage nach der Vernissage ihren 90. Geburtstag feiern durfte, wusste er interessant zu berichten. Hier nun seine Rede:

„Die Kunst ist  eine Sprache der Empfindung, die da anhebt, wo der Ausdruck mit Worten aufhört.“ Der Sinn dieser Lebensweisheit, verfasst von dem bereits 1754 in Schleswig geborenen Maler Asmus Jakob Carstens, verehrte Gäste und liebe Kunstfreunde, wurde mir wieder einmal verdeutlicht, als ich im vergangenen Jahr unsere heutige Künstlerin, das heißt, dich, liebe  Elisabeth in Eurem Husumer Appartement besuchen durfte. Schon beim Betreten erregten die in zwei Etagen angeordneten lichtdurchfluteten Räume mit direktem Blick auf den Husumer Hafen  mein Wohlbefinden. Eine weitere Steigerung dieses, kaum mit Worten zu beschreibenden Wohlgefühles, erfuhr ich dann beim Anblick einer Vielzahl von großformatigen und  in harmonischen Farbklängen gehaltenen Aquarellen, die den Räumlichkeiten zusätzlich einen galerieähnelnden Charakter verliehen. …und ab heute hier in der Magistrale des Helios-Klinikum zu bewundern sind. Natürlich, liebe Kunstfreunde,  war ich begierig zu erfahren, wer denn alle diese, in virtuoser Aquarelltechnik gemalten Bilder geschaffen hat.

In ihrer bescheidenen und eher zurückhaltenden Wesensart gibt mir  Elisabeth Ostendorf, vorrangig, mit den Elementen der  nonverbalen Kommunikation zu verstehen, dass sie selbst all diese Werke geschaffen hat. Spätestens in diesem Moment wird mir bewusst und bestätigt,  dass auch sie die Kunst als  Sprache der Empfindungen versteht und zusätzlich die Fähigkeit und Gabe besitzt, uns dieses mit Hilfe und in Form ihrer Werke zu verdeutlichen.  Im Rahmen eines Vorbereitungsgesprächs für die heutige Ausstellungseröffnung, lässt mich die, am 11. März 1928 im Niederschlesischen Grünberg geborene Elisabeth Ostendorf, an ihrem Leben teilhaben. So erfahre ich, dass sie nach dem zweiten Weltkrieg zunächst ein Studium der Botanik in Jena aufnahm, es später dann aber nicht weiter verfolgte.  Ihre ersten Malstudien dagegen begann sie in den frühen 60er Jahren als sie bereits mit ihrem Ehemann, d. h., mit dir, lieber Rudolf, in Italien lebte, da du als Kaufmann sehr viel im Ausland tätig warst. Im gleichen Haus wie ihr wohnte eine Malerin, die Elisabeth zum Malen anregte. Nach anfänglichen Abendmalkursen, liebe Elisabeth, gelang es dir schon im Jahre 1976 ein Kunststudium der Akt- und Portraitmalerei an der „Acadeàmie Royale des Beaux Arts“ in Brüssel erfolgreich abzuschließen. Da dir die Ölmalerei nicht so unbedingt zusagte, hast du dich der Aquarellmalerei zugewandt. Diese Art der Malerei musstest du dir dagegen autodidaktisch aneignen,  da sie an der königlichen Kunstakademie in Belgiens Metropole nicht angeboten wurde.  Wie du mir aber berichtet hast, war es ein langer und harter Weg mit einer Unzahl von Versuchen und Experimenten, bevor du es in der dir eigenen Technik, zur heutigen Perfektion gebracht hast. So hast du dich z. B. nicht, wie viele andere Aquarelllisten mit einer bescheidenen Anzahl von Farben und Farbmengen oder kleinen Formaten zufrieden gegeben. Nein, es waren immer große Farbtuben, große Pinsel und übergroße Formate mit Aquarellkartons in der Größe bis zu 105 x76 cm und mehr. .. Und das war, wie du mir sagtest, bei deiner Körpergröße nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Allein schon für das wiederholte Befeuchten der Bögen musstest du eine eigene Technik entwickeln, die ein Arbeiten auch von beiden Seiten des großformatigen Aquarellkartons erforderte. Das bedeute, dass z. B.  von der einen Tischseite das Land und von der gegenüberliegenden Seite der Himmel gemalt werden musste. Ein einfaches Drehen der Arbeitsbögen hätte ein ungeordnetes Verlaufen der Farben zur Folge gehabt Besondere Übung erforderte für dich insbesondere das Arbeiten mit dem dickbäuchigen Aquarellpinsel Größe 24, wie du mir gestern beim Hängen an einem der großflächigen Bilder noch einmal erklärt hast. Denn bei der Arbeit insbesondere mit diesem Pinselformat, soll es genau darauf ankommen, wie viel Wasser der Pinsel beim Arbeitseinsatz in sich tragen muss.Und das bedarf eines langen und immer wiederholenden Übungsaufwandes.

Liebe Kunstfreunde, während andere Aquarellmaler ihre Werke in meist maximal 3 bis 4 Arbeitsgängen fertigstellen, trägt die Aquarellistin Elisabeth Ostendorf dagegen häufig in mehreren Arbeitsschritten, jeweils einen  weiteren Farbauftrag auf die getrockneten Farben auf. Erst dann, so hat sie mir erklärt, fangen ihre Farben an zu vibrieren.… und das liebe Elisabeth lässt  du uns und den vielen Patienten und Besuchern wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klinikums heute und in den kommenden Wochen erleben. Wenn ich richtig gerechnet habe, so ist es mit der heutigen deine 42. Einzelausstellung. Geprägt durch ein Wanderleben aufgrund der beruflichen Erfordernisse deines Mannes durch Europa, sind in deiner Ausstellungsliste neben Deutschland auch Ländernamen wie z. B.  Italien, Frankreich, Belgien,  Schweden und sogar Neuseeland aufgeführt. Wie in allen vorherigen Ausstellungen so dominiert auch in deiner heutigen Bilderschau mit dem Titel „Horizonte“  die Landschaft als Sinnbild. Nur selten werden in deinen Werken konkrete Örtlichkeiten wiedergegeben, sondern in der Regel sind es Synthesen aus der Vielfalt der von dir erlebten Welt. Zu sehen sind vielmehr rhythmisch gegliederte, ans Abstrakte grenzende Landschaften. Die Landschaft wird dabei zum Erlebnisort in unserer leider zunehmend kontaktarmen Zeit. Hierfür, liebe Elisabeth  danke ich dir persönlich und ich denke auch im Namen aller Kunstfreunde und Ausstellungsbesucher … und eröffne hiermit die Ausstellung!

Gut eingestimmt durch die Worte des 1. Vorsitzenden betrachtete ein Teil der Besucher sofort die stimmungsvollen Aquarelle, die am Mittwoch von Vorstandsmitgliedern und einigen stets hilfsbereiten Mitgliedern aufgehängt worden waren. Andere stärkten sich zunächst mit Laugenbrötchen und leckerem Dip, tauschten Gedanken aus oder lauschten den unterhaltsamen Saxophonklängen Ingo Leonhards. Zu guter Letzt trafen sich Künstlerin und eine große Schar ihrer Bewunderer zu einer gemütlichen Runde im nahe gelegenen Kreativ-Hus, ein schöner Abschluss dieser gelungenen Ausstellungseröffnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Wolfgang Klockow, Dr. Axel Michaelsen, Joachim Tschesch, Annegret Vahle

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